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Buchkritik: "Origin" von Dan Brown - "Und süßes Wissen herrscht"

An heutigen Dienstag erscheint der neue Roman von Dan Brown. Der Erfolgsautor liefert einen flott geschriebenen Thriller über den Ursprung des Lebens und die Zukunft der Informatik.

Buchkritik: "Origin" von Dan Brown - "Und süßes Wissen herrscht"

(Bild: Centro Nacional de Supercomputación )

"Großer Gott, ich bin in einem Paralleluniversum!" Dieser Satz aus dem neuen Buch des amerikanischen Schriftstellers Dan Brown fasst dessen Inhalt ganz gut zusammen. Der Roman erscheint am heutigen Dienstag im Ausland, in Deutschland wird er ab morgen verfügbar sein.

"Origin" führt in ein kontrafaktisches Spanien. Der König liegt im Sterben, Thronfolger Julian wartet auf seine Chance. Wir befinden uns in der Gegenwart und der Harvard-Symbologe Robert Langdon streitet wie bereits in den vier Dan-Brown-Romanen davor gegen böse Mächte und für die Wissenschaft.

Mit "Origin" kehrt Brown thematisch zu seinen Anfängen zurück. 1998 beschrieb er im Erstling "Digital Fortress" (deutscher Titel: "Diabolus") die NSA und ihre Supercomputer. Auch damals spielte ein Handlungsstrang in Spanien. Im jüngsten Werk wirkt ein Computergenie namens Edmond Kirsch mit. Kirsch stirbt im ersten Viertel des Romans, aber sein Meisterstück, das hyperintelligente Computerprogramm Winston, lebt weiter. Später tritt Kirsch noch einmal virtuell auf.

Neben den üblichen Action-Elementen besteht der Roman aus drei Teilen. Der erste bietet die arg lange Exposition in der baskischen Metropole Bilbao, danach folgt die Dan-Brown-typische Schnitzeljagd quer durchs Land, dieses Mal mit vielen Online-Zutaten. Das Finale läuft über mehrere Stationen in Barcelona ab; am Ende erlebt der Leser eine große wissenschaftliche Enthüllung und erfährt eine Antworten auf die Fragen „Woher kommen wir?“ und „Wohin gehen wir?“ Hierzu machte sich der Autor mit den Fortschritten der Evolutionsbiologie, der Künstlichen Intelligenz und der Quantencomputer vertraut. Die Leser erfahren ebenso von Experimenten der 1950er Jahre wie dem Miller-Urey-Experiment, mit dem im Labor organische Moleküle erzeugt wurden. Für Fans von Geheimgesellschaften gibt es die Kirche der Palmarianer. Sie existiert wirklich, und obwohl Brown ihre Päpste durcheinanderbrachte, wird die spanische Ausgabe des Romans ihr sicher Neuzugänge bescheren.

Die Botschaft von "Origin" nahm der Autor in der vergangenen Woche in einem Interview vorweg: Wissenschaft ist gut, Religion ist teils gut und teils schlecht. Die Spitze dürfte sich gegen die amerikanischen Kreationisten richten. Solange man beim Wechsel der Schauplätze die Übersicht behält, liest sich das Buch leicht. Manchmal geht der didaktische Impetus mit dem Autor durch, doch lernt der Leser auch manches hinzu, etwa dass das Centro Nacional de Supercomputación in Barcelona seinen Sitz in einer ehemaligen Kirche hat.

In der deutschen Ausgabe endet die Romanerzählung auf Seite 666. Ein schlechtes oder ein gutes Omen für den Erfolg? Wer Dan Brown danach fragen möchte, kann das bei seinem Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse am 14. Oktober tun. (Ralf Bülow) / (dwi)

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