Buglas: Neue Verbündete für die Glasfaser

Während der Ausbau der Glasfaser-Netze in Deutschland nur zögerlich vorankommt, drängen Infrastrukturanbieter neu auf den Markt.

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(Bild: Gorodenkoff / Shutterstock.com)

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Der Glasfaseranbau ist angelaufen – die selbst gesteckten Ziele der Bundesregierung sind aber in weiter Ferne. Auf dem Jahreskongress des Bundesverbands Glasfaseranschluss (Buglas) in Niederkassel zogen Branchenvertreter und Politiker ein verhaltenes Fazit zu den jetzigen Ausbauplänen und Förderprogrammen.

Nach dem aktuellen Gutachten der Monopolkommission des Bundes müssten bis 2025 rund 12 Millionen neue Anschlüsse verlegt werden, um die Gigabit-Ziele der Bundesregierung zu erreichen. Doch bei dem derzeitigen Ausbautempo ist daran nicht zu denken, wie Buglas-Vorstandsmitglied Patrick Helmes vorrechnete. Derzeit kämen 600.000 Anschlüsse pro Jahr hinzu. Eine rapide Steigerung ist auch dank der Kapazitätsprobleme beim Tiefausbau und des resultierenden Kostenanstiegs nicht zu erwarten.

Ein Grund für den stockenden Ausbau sei die Deutsche Telekom und der Vectoring-Ausbau. "Sobald wir eine Kommune finden, die ausbauen kann, bekommen wir Querschüsse", erklärte etwa der CDU-Bundestagsabgeordnete Gero Storjohann in Niederkassel. Auch die Grünen-Abgeordnete Margit Stumpp beschwerte sich über den Ex-Monopolisten. Der Ausbau mit Glasfaser lohne nicht, wenn parallel die VDSL-Infrastruktur angeboten werde. Sobald jedoch ein Konkurrent Glasfaser-Pläne bekannt gebe, treibe auch die Telekom den Ausbau voran, so dass die Gemeinden Verträge mit dem Bonner Konzern schlössen. Sei der Ausbau jedoch mit kommunalen Zuschüssen abgeschlossen, schauten die Anwohner jedoch in die Röhre. "Nach 50 Metern haben sie schon nicht mehr die Leistungen, die zugesagt wurden", sagte Stumpp.

Jahreskongress des Bundesverbands Glasfaseranschluss (Buglas) in Niederkassel. VLnR: Gustav Herzog MdB (SPD), Daniela Kluckert MdB (FDP), , Margit Stumpp MdB (Bündnis 90/Grüne), Gero Storjohann MdB (CDU/CSU).

(Bild: heise online/Torsten Kleinz)

Obwohl auch die Vertreter der Großen Koalition auf dem Kongress eine sehr negative Bilanz des Vectoring-Ausbaus zogen, sahen sie die aktuellen Bemühungen als verheißungsvoll. So sei mit dem neuen Förderprogramm der Bundesregierung der Gigabit-Ausbau priorisiert. Zudem arbeite man daran, regulatorische Hindernisse beiseite zu schaffen, und etwa den Ausbau über das deutlich günstigere Trenching zu fördern. Der SPD-Abgeordnete Gustav Herzog MdB appelierte, sich mit Vectoring als Übergangstechnik zu arrangieren und in die Zukunft zu blicken. "Nächstes Jahr werden die Zahlen ganz anders aussehen", versprach der Bundestagsabgeordnete in Hoffnung auf die Effekte der neuen Förderprogramme und regulatorischen Erleichterungen beim Tiefbau.

Den Glasfaser-Providern genügen solche Ansagen freilich nicht. So forderte Nelson Killius, Sprecher der Geschäftsführung des Münchner Regionalproviders M-net einen klaren Schnitt beim Kupferkabel. Dies sei letztlich sogar im Interesse der Telekom. "Die Kollegen sind gefangen auf diesem Scheiß Vectoring-Netz", sagte Kilius. So reichten die Geschwindigkeiten von 250 MBit pro Sekunde noch schätzungsweise fünf Jahre aus, um den Kundenbedarf zu decken. Doch damit werde die Neuinvestition in neue Netze effektiv verhindert, weil sich zu viele Kunden für das preisgünstigere Kupferkabel entschieden. Zugleich müsse Vodafone aufgegeben werden, die Kabelnetze per OpenAccess auch für Konkurrenten freizugeben. "Wir brauchen Auslastung von 50 Prozent oder 60 Prozent – und das geht alleine nicht", sagte Kilius.

Während die Glasfaser-Anbieter zwar stetige, aber langsame Fortschritte machen, drängen neue Anbieter auf dem Markt. So stellte die neu ausgegründete Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn mit dem Namen DB Broadband ihre Glasfaser-Pläne vor. Der Verkehrskonzern hat bis 2020 bereits Glasfasern entlang von 18.000 Kilometer Schienenstrecken verlegt, in den kommenden Jahren soll diese Zahl auf 33.000 Kilometer wachsen. Da die Bahn selbst für ihre Digitalisierungsprojekte nur einige Glasfasern benötigt, sollen die überschüssigen Kapazitäten künftig dem Markt zur Verfügung stehen.

Der Verkehrskonzern sieht sich in einer einmaligen Position, die Breitbandversorgung in der Fläche zu verbessern. So könnten bereits heute 3700 Gemeinden mit der Breitbandinfrastruktur erreicht werden, hinzu kommen noch einmal 14.000 Unternehmen und 1500 Gewerbegebiete mit akuter Breitband-Unterversorgung. Zudem möchte die Deutsche Bahn ein wichtiger Dienstleister für den 5G-Ausbau werden. So liegen nach Berechnung von DB Broadband mindestens 24.000 Mobilfunkmasten weniger als einen Kilometer von den eigenen Glasfasersträngen entfernt und wären damit vermutlich relativ preisgünstig anzubinden. Gleichzeitig will der Konzern auch 800 eigene Masten zur Mitnutzung vermarkten. Rund um diese passiven Infrastrukturen soll DB Broadband noch ergänzende Angebote schaffen – so zum Beispiel verteilte Rechenzentren oder verwaltete Ethernet-Verbindungen. Ganze Ortsnetze ausbauen möchte die Deutsche Bahn jedoch nicht.

Das Interesse in Niederkassel an dem Angebot war groß. So zeigten sich Glasfaser-Anbieter sehr interessiert daran, die Glasfaser der Deutschen Bahn zu nutzen. Für Provider ist es bei der Anlage neuer Verbindungen über Land ein großes und kostspieliges Problem, Bahnstrecken zu kreuzen. Norbert Becker von DB Broadband versprach hier bessere Lösungen zu schaffen.

Unterdessen haben sich auch andere Infrastrukturanbieter dem Breitband-Geschäft angenommen. Anfang des Jahres hat der Energieversorger E.ON begonnen, die eigenen Gasleitungen mit zusätzlichen Leerrohren und Glasfasern zu ergänzen. Doch statt sich nur auf die Anbindung der Ortschaften zu beschränken, baut der Konzern mittlerweile ganze Ortschaften aus, wenn diese ein Gasnetz aufbauen wollen und wenn es nicht bereits schnelle Kabelanschlüsse gibt.

In Niederkassel zog der zuständige Manager Jörn Schoof eine positive Zwischenbilanz. So sei es etwa bei Projekten in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern kein großes Problem gewesen, die Tiefbaukapazitäten zu organisieren. Probleme gebe es hingegen beim Zugang zu den Wohnungen. Wohnungsbaugesellschaften seien wenig hilfreich bei der Erschließung, auch wenn ein Glasfaser-Anschluss den Wohnwert erheblich steigere. Auch die Zusammenarbeit mit den Behörden müsse sich noch einspielen. "Die untere Naturschutzbehörde will gerade jeden Meter begleiten", sagte Schoof – zudem müssten auch Archäologen und Munitionsräumer in den Ausbauprozess integriert werden. Dies verlangsame den Bau mitunter erheblich. (bme)