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Bund sieht sich als Vorreiter bei Green IT

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Die Bundesverwaltung hat im vergangenen Jahr den Energieverbrauch für Informationstechnik um 14,2 Prozent auf 570 Millionen Kilowattstunden (kWh) gesenkt. "Unsere IT wird grüner", freute sich die IT-Beauftragte der Bundesregierung, Staatssekretärin Cornelia Rogall-Grothe, im Bundesinnenministerium auf dem ersten Green-IT-Tag der Bundesverwaltung am heutigen Dienstag in Berlin. Damit sei das "ambitionierte" mittelfristige Einsparziel "keine Illusion".

Die Bundesregierung hatte Ende 2008 auf dem nationalen IT-Gipfel beschlossen, in allen Ressorts bis 2013 den Energieverbrauch durch PCs, Laptops, Server und Peripheriegeräte um 40 Prozent zu reduzieren. Dabei geht es darum, die Stromaufnahme etwa durch intelligente Messtechnik in Gebäuden oder durch Videokonferenzen zu senken und den Energiehunger der IT selbst zu zügeln.

Für jeden Bildschirmarbeitsplatz pro Jahr und jeden der 600.000 Beschäftigten in der Verwaltung werden etwa 1000 kWh angesetzt. Dabei entstehen insgesamt rund 330 Tonnen Kohlendioxid. Für die eine Hälfte des gesamten IT-Energieverbrauchs sei dabei die Ausrüstung am Arbeitplatz direkt verantwortlich, die andere gehe auf das Konto von Rechenzentren, erklärte Rogall-Grothe. Im Bundesverwaltungsamt werde derzeit ein "Musterrechenzentrum" aufgebaut, um Einsparpotenziale zu erproben und über Beratungsprojekte anwendbar zu machen.

Da der öffentliche Sektor hierzulande mit IT-Ausgaben von 17 Milliarden Euro pro Jahr "das größte Auftragsvolumen in Europa" habe, könne der Staat hier durch angepasste Beschaffungsrichtlinien Impulse setzen, so Rogall-Grothe. Zudem kündigte die Staatssekretärin Dienstleistungszentren für den IT-Betrieb an, für die eine niedrige Energieaufnahme das wichtigste Bewertungskriterium bilden werde. Auch müsse der Erfahrungsaustausch mit den Ländern über den neuen IT-Planungsrat und mit der Wirtschaft intensiviert werden.

Im Bundesfinanzministerium verbraucht die dort eingesetzte Informationstechnik derzeit etwa 55 Millionen kWh pro Jahr, erläuterte die dortige IT-Beauftragte Martina Stahl-Hoepner. Dies entspreche 9 Prozent des Gesamtvolumens der Bundesverwaltung. Im Laufe des ersten Jahres der Messung seien nach der Bestandsaufnahme Einsparungen in Höhe von 9 Prozent erzielt worden. Aktuelle Maßnahmen sind Server-Virtualisierung zur Erhöhung der Auslastung und die Reduzierung der Zahl der Server-Standorte von 300 auf drei in Berlin, Bonn und Frankfurt. Geplant sei eine Prüfung der Energieeffizienz bei Neubeschaffungen und bestehenden Geräten.

Georg Bröhl, IT-Beauftragter des Wirtschaftsministeriums, sieht Einsparpotenziale in der Sensibilisierung von Mitarbeitern, der Abschottung von Kühlräumen oder dem Einsatz von Notebooks statt Desktop-Rechnern. Das Ressort erhielt heute eine von drei Auszeichnungen für "Leuchtturm-Projekte Green IT". Die anderen Preisträger waren die Bundesagentur für Arbeit, die als einer der größten Verbraucher mit 170.000 vernetzten Rechnern rund 30 Millionen kWh einsparen konnte, sowie ein Zusammenschluss des Netzwerks Green IT Berlin-Brandenburg mit der TU Berlin und dem Umweltbundesamt. Dieser hat Instrumente zum Leistungsvergleich von Rechenzentren mit über 30 Parametern zur Optimierung des Energieverbrauchs erarbeitet, bei denen auch der Datenschutz nicht zu kurz kommen soll. (anw)