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Bundesbank fordert europäische Alternative zu Paypal, Apple Pay und Co.

Bezahldienste von US-Konzernen drängen auf den deutschen Markt oder haben sich schon breitgemacht. Die Bundesbank will heimische Alternativen.

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Mobile Pay

(Bild: dpa, Monica Davey/Illustration)

Die Bundesbank fordert europäische Alternativen zu den Bezahllösungen von US-Techkonzernen. "Es kann uns als Bundesbank nicht gleichgültig sein, wenn große Technologiekonzerne wie Apple, Google, Paypal und Amazon mehr und mehr die Kundenbeziehung übernehmen und den Banken lediglich noch die Rolle des Zahlungsabwicklers im Hintergrund bleibt", erklärte Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz in der Welt am Sonntag.

Die Bankenwirtschaft sollte deshalb heimische Dienste auf die Beine stellen, die dem Quasi-Duopol der Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard wie auch den Techkonzernen die Stirn bieten können. "Mein Appell an die Branche ist: Überlegt euch, mit welchen Produkten ihr auf die Angebote von Apple & Co. antworten wollt", sagte Balz der Zeitung.

Der Versuch der deutschen Kreditwirtschaft, Paypal bei Onlineshoppern mit dem Bezahlsystem Paydirekt Marktanteile abzuluchsen, hat bislang keinen durchschlagenden Erfolg gehabt. Derzeit zählt Paydirekt 2,2 Millionen Kunden, Paypal hat hierzulande rund 20,5 Millionen. Im März berichtete das Handelsblatt, dass das Bankenkonsortium dahinter 2019 noch einmal 60 Millionen Euro in das System investieren will – deutlich weniger als erwartet.

Eine Gruppe privater Banken, darunter ING, Santander und Targobank, will dem Bericht nach sogar seine Anteile an Paydirekt loswerden und an Deutsche Bank und Commerzbank übertragen.

Beim kontaktlosen Bezahlen an der Ladenkasse machen vor allem Apple Pay und Google Pay die Schlagzeilen. Apple Pay ist im vergangenen Dezember in Deutschland an den Start gegangen und wird unter anderem unterstützt von Deutscher Bank, Hypo Vereinsbank, Fidor Bank, Comdirect und N26. Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken wollen nach anfänglichem Widerstand in diesem Jahr folgen und die Einbindung der Girokarte in den Bezahldienst möglich machen.

Google Pay ging bereits im Sommer an den Start und umging die eher überschaubare Unterstützung der deutschen Banken elegant durch die Einbindung von Paypal: Im Paypal-Account hinterlegte Girokonten können dann auch für Zahlungen mit dem Smartphone genutzt werden.

Die deutschen Banken hängen bei Zahlungen mit dem Smartphone derzeit lieber an ihren Insellösungen statt einen übergreifenden Dienst gegen die Konkurrenz aus den USA zu stellen. Andererseits ist das kontaktlose Zahlen auch immer noch eine Nische an der Ladenkasse, verglichen mit Barzahlung und Girokarte. Zudem bleibt abzuwarten, ob die Kunden nicht doch lieber zu den kontaktlosen Girokarten greifen als ihr Smartphone zum Zahlen zu zücken.

Alles in allem schwebt aber die greifbare Gefahr über den Banken, immer mehr ihren Kontakt zum Kunden zu verlieren. Stattdessen wird nur noch der aufgesattelte Bezahldienst wahrgenommen: Man bezahlt mit Apple und Google. Würden die Banken weiter in diese Hintergrundrolle gedrängt, hätte die auch Auswirkungen auf Struktur des Bankensystems und den Wettbewerb am Markt, schätzt die Bundesbank die Lage ein: "Wenn es zu Ertragsausfällen bei den Banken kommt, stellt sich auch die Frage, was dieses für die Finanzstabilität bedeuten könnte“, erklärte Balz. (axk)