Bundesbank fordert europäisches System für mobiles Bezahlen

Die Banken in Europa sollten sich angesichts der Coronakrise mit einem eigenen System für Mobile Payment beeilen, sagt Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz.

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Bundesbank fordert europäisches System für mobiles Bezahlen

(Bild: Jacob Lund/Shutterstock)

Von
  • Axel Kannenberg

Europas Banken sollten sich laut Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz sputen bei der Schaffung eines eigenen Systems für mobiles Bezahlen an der Ladenkasse. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte Balz, er wünsche sich angesichts der Konkurrenz aus den USA und China "etwas mehr Tempo" im Bankensektor.

Die Corona-Pandemie zeige, wie wichtig "europäische Systemsouveränität" sei, sagte Balz und verwies auf eine europäische Initiative für ein einheitliches Bezahlsystem an der Ladenkasse, im E-Commerce und für Nutzer-zu-Nutzer-Zahlungen. "Manchmal erscheint es mir, als ob manche erst jetzt aufwachen", sagte Balz. "Aber ich bin zuversichtlich, dass sich gerade an dieser Stelle die Krise als Chance auswirkt."

Im Zuge der Coronakrise scheint sich das Bezahlverhalten zahlreicher Kunden in Deutschland zu verschieben – kontaktlose Bezahlverfahren sind immer gefragter. Händler raten zu Zahlungen via Smartphone oder kontaktlosen Karten mit NFC-Chip, weil dies hygienischer sei. Im Zuge dessen wurden auch die Limits für kontaktlose Zahlungen mit Girocard und Kreditkarte, bei denen keine PIN-Eingabe mehr nötig ist, auf 50 Euro erhöht. Berater erwarten eine nachhaltige Veränderung des Bezahlens an der Ladenkasse – die Bundesbürger würden der Barzahlung durch Hygienemaßnahmen entwöhnt.

Zwangsläufig hygienischer sind kontaktlose Verfahren aber nur, wenn man beim Smartphone bleibt, bei dem die Verifikation am Gerät erfolgen kann. Bei der Nutzung von kontaktlosen Karten wird hingegen früher oder später wieder die Eingabe am PIN-Terminal nötig sein, das im Regelfall täglich von anderen zahlreichen Finger berührt wird. Die Bundesbank geht jedenfalls von einem äußerst geringen Ansteckungsrisiko über Bargeld aus. "Die Wahrscheinlichkeit, sich mittels Bargeld anzustecken, ist geringer als bei vielen anderen Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens", sagte Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann in einem Pressegespräch.

Ob die Krise ein eigenes heimisches Bezahlsystem voranbringt, das EU-weit E-Commerce-Zahlungen, Mobile-Payment und Nutzer-zu-Nutzer-Zahlungen möglich macht, bleibt abzuwarten. Bereits vergangenes Jahr wurde bekannt, dass die deutschen Banken daran arbeiten, ihren Wildwuchs an Diensten – von Paydirekt über Kwitt bis Giropay – unter einem Dach zu bündeln. Und das Ganze solle nur der erste Schritt hin zu einem europäischen System sein. Basis dafür könnten die im Sepa-Raum eingeführten Instant Payments werden, die in Sekundenschnelle verbucht werden. Einstweilen bleibt aber die Abhängigkeit von US-Techriesen und Bezahldienstleistern wie Paypal, Visa und Mastercard. (axk)