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Bundesbürger gehen nur zögerlich aufs digitale Rathaus

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Die Deutschen nutzen zwar inzwischen E-Government-Angebote mehr als im vorigen Jahr, die Akzeptanz lässt aber noch zu wünschen übrig. Das ergab der aktuelle "E-Government-Monitor 2012" (PDF-Datei) der Initiative D21 und des Institute for Public Information Management (ipima). In einem Sechs-Länder-Vergleich hat Deutschland gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozentpunkte aufgeholt, mit einer Anwenderquote von 45 Prozent bleibt es gemeinsam mit dem gleichauf liegenden Großbritannien aber weiter im unteren Feld. Die Spitzenplätze belegen erneut Schweden und Österreich mit einer – allerdings weitgehend stagnierenden – Nutzungsquote von 70 beziehungsweise 68 Prozent. Die neu in die Auswertung aufgenommene Schweiz liegt mit 58 Prozent im Mittelfeld, die ebenfalls erstmals vertretenen USA landen mit 39 Prozent überraschend auf dem letzten Platz.

Sicherheit und Datenschutz werden in allen untersuchten Ländern beim Online-Behördengang als sehr wichtig erachtet. Allerdings befürchten auch viele, dass die Aspekte nicht gewährleistet werden. Besonders häufig wird die Bedeutung der beiden Bereiche in den deutschsprachigen Ländern mit Quoten zwischen 86 und 89 Prozent hoch eingeschätzt. Viele meinen auch, die Angebote sollten einfach zu bedienen und die Inhalte aktuell sein.

Beim "Mobile Government" ist Schweden ebenfalls führend mit 21 Prozent Anwendern. Deutschland und Großbritannien sind mit 8 Prozent zusammen mit 6 Prozent in den USA auf den hinteren Rängen zu finden. Aktuell planen etwa hierzulande aber 28 Prozent der "Nichtnutzer", künftig entsprechende Mobildienste einzusetzen. Die Steigerungsraten in den übrigen Vergleichsländern sind ähnlich hoch.

In der Schweiz nutzen bereits 30 Prozent der Onliner offene Verwaltungsdaten, in Österreich sind es 23 und in Deutschland 18 Prozent. Ferner wollen sich 36 Prozent der Deutschen künftig online an politischen Entscheidungsfindungen beteiligen, in Österreich sind es sogar 40 Prozent. Just in den USA, denen die Analysten eine Pionierrolle bei Open Government zuschreiben, halten sich die Nutzer am meisten zurück.

In der Untersuchung werden vier Nutzer- beziehungsweise Verweigerertypen unterschieden. Die größte Gruppe bilden demnach hierzulande mit 31 Prozent der Bevölkerung die "digitalen Beobachter", die politisch hoch interessiert und von Open Government begeistert sind. Davon ist aber nur ein Drittel politisch selbst sehr aktiv, übers Internet sind es lediglich 16 Prozent. Die zweitgrößte Kategorie stellen mit 30 Prozent die "digital Unbeteiligten" dar, denen es kaum wichtig ist, an politischen Gestaltungsprozessen teilzunehmen. Platz 3 nehmen mit 24 Prozent "prädigital Interessierte" ein, die das politische Geschehen teils verfolgen, denen der Umgang mit digitalen Medien aber kaum Spaß bereitet. Als "digitale Engagierte", die online wie offline in der Politik sehr aktiv sind, gelten 15 Prozent.

Die IT-Beauftragte der Bundesregierung, Cornelia Rogall-Grothe, meinte zur Präsentation der Ergebnisse in Berlin, die Verwaltung müsse wegen sinkender Bevölkerungszahlen und angespannter Haushalte verstärkt auf Online-Dienste setzen, die rund um die Uhr, ortsungebunden und ohne Wartezeiten verfügbar seien. Auch müsse es mehr mobile E-Government-Apps geben. Dabei müsse der Schutz der Daten gewährleistet sein. Alfred Zapp, Vizepräsident der Initiative D21 und Mitglied der Geschäftsleitung CSC Deutschland Solutions, forderte mehr Innovationen im Bereich des digitalen Rathauses, damit Deutschland zur Spitze aufschließen könne.

Für die Auswertung hat das Marktforschungsinstitut TNS Infratest in den untersuchten Ländern jeweils rund 1000 Onliner über 18 Jahren mit einem computergestützten Web-Interview befragt. (anw)