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Bundeshaushalt 2019: 50 Millionen Euro Spielgeld

Wie im Koalitionsvertrag versprochen, haben die Regierungsparteien ein neues Förderprogramm für die Spieleindustrie auf den Weg gebracht.

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Gamescom 2018

Mit 50 Millionen Euro jährlich soll die Entwicklung von Spielen in Deutschland gefördert werden. Auf einer Sitzung des Haushaltsausschusses haben sich am Donnerstag Unionsparteien und SPD auf die Einrichtung eines Games-Fonds geeinigt. Federführend wird das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Mit der Mittelzusage kommt die Koalition einer lang gehegten Forderung der Spielebranche entgegen. So hatte insbesondere der Bundesverband Game einen neuen Fördertopf verlangt, der Spieleentwickler international konkurrenzfähig machen soll. Nach Vorstellungen des Verbands sollen dabei auch alte Tabus fallen: So sollen nicht nur kulturell wertvoll erachtete Spiele eine Chance auf Zuschüsse haben, sondern auch kommerzielle Blockbuster.

Die konkrete Ausgestaltung des Programms muss nach Verabschiedung des Haushaltes aber noch einige Hürden nehmen. So muss das Ministerium die genauen Förderrichtlinien erarbeiten und die Europäische Union über die geplanten Staatsbeihilfen notifizieren.

Game-Geschäftsführer Felix Falk begrüßte die Entscheidung als historischen Schritt, drängt aber gleichzeitig zur Eile. „Aktuell sind die Rahmenbedingungen für die Spiele-Entwicklung in Deutschland international kaum konkurrenzfähig", heißt es in einem Statement. "Nur wenn der Games-Fonds kommt, haben wir die Chance, zu den internationalen Hotspots der Spiele-Entwicklung aufzuschließen“, so Falk weiter.

Vor der Entscheidung der Regierungsparteien hatte die Opposition Druck gemacht. So hatte die FDP pünktlich zur Gamescom die fehlenden Fortschritte der Spiele-Politik angemahnt. Auch die Grünen legten einen eigenen Antrag zur Spieleförderung im Bundestag zur Debatte, in dem aber auch kritische Aspekte zur Sprache kommen: So soll der organisierte E-Sport mit Anti-Doping-Organisationen zusammenarbeiten und Hate Speech entgegenwirken.

Spätestens seit Bundeskanzlerin Angela Merkel vor anderthalb Jahren die Spielemesse Gamescom in Köln eröffnet hatte, steht die Förderung von Computerspielen auf der Regierungs-Agenda. Die Fortschritte hierbei sind allerdings schleppend. So hat das Auswärtige Amt im Oktober E-Sport-Turniere offiziell als Grund für Erteilung von Visa für Teilnehmer akzeptiert.

Ein weiteres Prestige-Projekt ist die Erhebung des E-Sports zur olympischen Disziplin. Hiermit verbunden wären zahlreiche weitere Vorteile für die Spielebranche. So könnten sich E-Sport-Vereine einfach von Steuern befreien lassen und von Förderprogrammen profitieren.

Doch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) stellt sich dabei quer. In einer Positionierung vor der Jahreshauptversammlung haben sich Präsidium und Vorstand des DOSB gegen einen solchen Schritt ausgesprochen: So wollen die Sportfunktionäre allenfalls Spiele, die herkömmliche Sportarten wie Fußball simulieren, als "E-Sport" bezeichnen – andere Spiele sollen unter den neu geschaffenen Begriff des "E-Gamings" fallen.

Für keine dieser beiden Kategorien will die DOSB-Spitze jedoch eigenständige Vereine oder Abteilungen schaffen. Computerspiele gelten hier lediglich als Nebenaktivität für herkömmliche Sportvereine, die außersportliche Aktivitäten zur Nachwuchsgewinnung anbieten möchten. (Torsten Kleinz) / (bme)

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