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Bundesliga zeigt YouTube die rote Karte

Wer bei YouTube die Suchbegriffe "Bundesliga" oder "Werder Bremen" eintippt, stößt schnell auf ein paar Videoclips mit Spielszenen, die Fußballfans bei Stadionbesuchen offenbar mit der eigenen Handykamera aufgenommen haben – und die meist in miserabler Qualität daherkommen. Dass dort nicht mehr Bundesliga-Material zu finden ist, liegt nach Angaben der Deutschen Fußball Liga GmbH (DFL) daran, dass man derzeit verstärkt gegen Urheberrechtsverstöße im Internet vorgehe. "Die DFL kann und wird nicht einfach zusehen, wie unser Inhalt missbräuchlich genutzt wird", erklärte der Kommunikationsleiter der Deutschen Fußball Liga, Tom Bender, gegenüber der Berliner Zeitung.

Die DFL beobachte seit Wochen sehr genau, was sich im Internet in Sachen Copyright-Verletzungen abspiele. "Wir haben festgestellt: Die Dimension ist leider erschreckend groß", sagte Bender der Tageszeitung. Sogar Liveübertragungen von Bundesliga-Spielen würden, teils gegen Bezahlung, angeboten. "Und abrufbare Spielzusammenfassungen haben in letzter Zeit regelrecht überhand genommen." Deshalb hole man jetzt zu einem "großen Gegenschlag" aus. "Wir haben die Firma NetResult damit beauftragt, Urheberrechtsverstöße im Internet aufzuspüren, die Verantwortlichen abzumahnen und Unterlassung zu fordern."

Die in London ansässige NetResult ist auf Markenschutz im Sportsektor spezialisiert und durchforstet das Internet bereits im Auftrag der britischen Premiere League nach Rechtsverstößen. Zu den Kunden von NetResult gehören auch das Internationale Olympische Komitee (IOC), die UEFA und Ausrichter von Großveranstaltungen, etwa der "British Open" (Golf) oder den Internationalen Französischen Tennismeisterschaften in Paris. Laut DFL sind seit der Zusammenarbeit mit NetResult bereits mehrere hundert Ausschnitte von Bundesliga-Spielen bei YouTube verschwunden.

YouTube sei in dieser Hinsicht zwar das größte Problem, doch gebe es auch kleinere Anbieter wie Clipfish, auf deren Internetseiten Ausschnitte aus Partien der Profiligen zu sehen gewesen seien, meinte der Sprecher. Die DFL werde rigoros gegen alle illegalen Angebote vorgehen. Dass die Fußball-Manager derzeit besonders erpicht darauf sind, jede nicht lizenzierte Verbreitung selbst kleinster Ausschnitte von Bundesliga-Spielen zu verhindern, liegt auch daran, dass die DFL seit dieser Saison selbst als Produzentin des sogenannten Basissignals auftritt und die Bilder aus den Stadien den Rechteinhabern zur Verfügung stellt.

Auch hatte man sich mit der gesonderten Ausschreibung der Bundesliga-Übertragungsrechte für das Internet auf rechtlich dünnes Eis begeben. Erst nach langem Hickhack und für die DFL teuren Zugeständnissen einigte man sich mit der Deutschen Telekom darauf, dass diese ihre Online-Rechte ausschließlich für die Ausstrahlung über die Highspeed-Netzinfrastruktur von T-Com nutzt. Arena, Käuferin der Pay-TV-Rechte, musste sich im Gegenzug dazu verpflichten, auf die Weiterleitung von IP-Signalen an Dritte zu verzichten. Kein Wunder also, dass die DFL derzeit alles nur Erdenkliche tut, um einen neuen, durch die Verbreitung nicht lizenzierter Bundesliga-Bildern hervorgerufenen Krisenfall "Internet" zu verhindern.

Im Hinblick auf die zunehmende Verschmelzung von Rundfunk und Online-Übertragung durch IPTV sollen die Übertragungsrechte für die Bundesliga im Übrigen künftig nicht mehr speziell fürs Fernsehen und fürs Internet ausgeschrieben werden. Das eine Mal sei "schon einmal zu viel" gewesen, hatte Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der DFL, jüngst öffentlich geäußert. "Wir haben das nur getan, weil es die EU von uns gefordert hat", begründet Seifert heute die Doppelausschreibung. (pmz)

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