Bundesnachrichtendienst will mit eigenem "Summer of Code" freie Software fördern

Der BND will ein studentisches Projekt rund um Open-Source-Software fördern. Eine Verwendbarkeit für den Geheimdienst ist dabei nicht wichtig.

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Die Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Berlin

(Bild: S. J. Müller / BND)

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Der Bundesnachrichtendienst (BND) möchte die Weiterentwicklung freier Software fördern und richtet dafür eine Art Programmierwettbewerb für Studenten aus. Bei der Namensgebung orientiert sich der BND am Vorbild Google und nennt sein Förderprojekt für die Semesterferien "Summer of Code". Über das Stipendium möchte der BND ein Open-Source-Software-Projekt mit 5000 Euro unterstützen.

Der deutsche Auslandsgeheimdienst will mit seinem "Summer of Code" nach eigener Aussage die "kreative Weiterentwicklung von Open Source Software" unterstützen (wie es auf der BND-Webseite zu dem Vorhaben heißt), da die Behörde solche Software auch als wichtigen Bestandteil ihrer IT-Landschaft betrachtet. Interessierte Studenten müssen volljährig und an einer deutschen Hochschule immatrikuliert sein. Ihre Bewerbung muss unter anderem eine bis zu 4 Seiten lange Projektbeschreibung ihres Vorhabens enthalten und dem BND bis zum 15. April vorliegen. Außerdem müssen die Bewerber (maximal zwei pro Projekt) einen Mentor benennen, der zusätzlich eine kurze Stellungnahme zu Durchführbarkeit und Relevanz des Vorhabens abgibt.

Bei der Themenauswahl macht der BND keine Einschränkungen, das Projekt soll lediglich "innovativ" sein und "einen Mehrwert für die Open Source-Gemeinschaft bieten" – was Bewerber auch möglichst herausstellen sollten. Die Zusage zu dem Stipendium wird bis Ende Mai erteilt, das Ergebnis muss bis zum 30. September vorliegen und der Quellcode veröffentlicht werden, etwa auf einer Plattform wie GitLab oder GitHub. Die Räumlichkeiten des BND stehen für die Programmierphase nicht zur Verfügung, allerdings soll es eine Abschlusspräsentation in Berlin geben.

In den FAQ zum Stipendium weist der BND auch darauf hin, dass diese Maßnahme nicht der Personalgewinnung dient. Ebenfalls findet sich in den FAQ ein Hinweis auf die offenbar naheliegende Frage nach dem Eigeninteresse des BND an den Ergebnissen des Programmier-Sommers – dazu heißt es etwas verschmitzt: "Wenn es uns dabei helfen kann, unseren Auftrag besser zu erfüllen, dann ist das wunderbar. Einen expliziten Bonus gibt es dafür aber nicht."

Da unter dem Mangel an IT-Spezialisten nicht nur Unternehmen in Deutschland zu leiden haben, sondern auch Behörden, will der Bund entsprechende Fachkräfte inzwischen sogar mit Zulagen und Prämien anlocken. Angesichts dieser Situation kann man den "BND Summer of Code" allerdings als Versuch werten, jungen Menschen die Behörde als modernen und anspruchsvollen IT-Arbeitgeber zu präsentieren, was in der öffentlichen Wahrnehmung einer auf strikte Geheimhaltung ausgerichteten Behörde eher nicht der Fall sein dürfte. In der Eigenwerbung um junge Fachkräfte platziert der BND auf seiner Website denn auch Aussagen wie "Mit Algorithmen gegen Terroristen", "Die Zukunft der Informatik" oder "license to hack" (Lizenz zum Hacken). (tiw)