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Bundesnetzagentur fordert weitere Investitionen in Netzausbau

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Für die Bundesnetzagentur stand das vergangene Jahr ganz im Zeichen des Netzausbaus: Energie- und Kommunikationsnetze müssen für die Anforderungen der nahen Zukunft gerüstet werden und wachsen im Zeitalter "smarter" Stromnetze zusammen. "Zur Versorgung mit Energie und zur Kommunikation sind sichere und leistungsfähige Netze notwendig", so der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, am Mittwoch bei der Vorstellung des Jahresberichts (PDF-Datei) der Regulierungsbehörde in Bonn. "Dazu sind gewaltige Investitionen in diese Netze erforderlich, damit Deutschland das Land der modernen Infrastrukturen bleibt."

Durch die Hinwendung zu erneuerbaren Energien werden neue Anforderungen an die Stromnetze gestellt. "Binnen fünf Jahren ist die Erzeugungskapazität der erneuerbaren Energien von 24 auf rund 54 Gigawatt Ende 2010 gestiegen", erläuterte Kurth. Durch die in diesem Segment dominierende Windkraft werde künftig die lastferne Erzeugung eine Hauptrolle spielen. Die Anbindung der Windkraftanlagen vor der Küste und der Ausbau der Übertragungsnetze mache gewaltige Investitionen erforderlich. "Wenn der Umbau in Richtung erneuerbare Energien beschleunigt werden soll, dann muss vor allem auch der Stromnetzausbau intensiviert und vorangebracht werden“, fordert Kurth. Dafür habe die Bundesnetzagentur bereits Investitionsbudgets in Milliardenhöhe genehmigt.

Auch die Telekommunikationsnetze müssen für steigende Datenmengen gerüstet werden. Im Jahr 2010 seien etwa 3,2 Milliarden Gigabyte über Breitbandanschlüsse im Festnetz geflossen, rechnet die Regulierungsbehörde vor – ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch das Datenvolumen in den Mobilfunknetzen wächst weiter und hat sich 2010 auf rund 65 Millionen Gigabyte verdoppelt. Der notwendige Netzausbau kostet Geld. "Die Bundesnetzagentur setzt alles daran, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen diese Investitionen in einem wettbewerblichen Umfeld ermöglichen", verspricht der Chefregulierer.

Im vergangen Jahr wurden nach Angaben der Behörde rund 5,9 Milliarden Euro in Telekommunikationsnetze investiert, davon 2,8 Milliarden von der Telekom und 3,1 Milliarden von anderen Anbietern. Zwei Drittel des Geldes wurde dabei in das Festnetz gesteckt. Die Mobilfunkinvestitionen stagnierten bei rund 2 Milliarden Euro. Die TV-Kabelnetzbetreiber rund 690 Millionen Euro in die Hand, um ihre Infrastruktur auszubauen. "Dessen ungeachtet gibt es immer noch Gegenden in Deutschland, die eine unzureichende Breitbandanbindung haben", sagte Kurth und verwies auf die Breitbandstrategie der Bundesregierung sowie die Anstrengungen der Bundesnetzagentur, um dem Ziel der flächendeckenden Breitbandversorgung "möglichst schnell näher zu kommen".

Im Jahr 2010 gab es in Deutschland 26,2 Millionen Breitbandanschlüsse im Festnetz, dabei bleibt DSL mit 23 Millionen Anschlüssen die dominierende Technik. Bei den DSL-Anschlüssen hat die Telekom noch einen Marktanteil von 48 Prozent, Tendenz weiter leicht fallend. Einen deutlichen Zuwachs verzeichneten der Behörde zufolge die Kabelnetzbetreiber mit 2,9 Millionen Anschlüssen. Dagegen verzeichnet die Bundesnetzagentur nur 260.000 Anschlüsse mit anderer Technik – darunter direkte Glasfaseranschlüsse (FTTB/FTTH), die allerdings noch kaum eine Rolle spielen.

Auch der Mobilfunk spielt eine wichtige Rolle für die deutschen Breitbandpläne. "Im Rahmen der Versteigerung der Frequenzen der sog. Digitalen Dividende im Frühjahr 2010 wurde den Unternehmen, die 800-MHz-Frequenzen ersteigert haben, die Auflage gemacht, mit diesen Frequenzen zuerst auf dem Lande die weißen Flecken in der Internetversorgung zu schließen", betont Kurth. Auf mobilen Datendiensten ruhen auch die Wachstumshoffnungen der Branche, denn 2010 hat sich nach Angaben der Regulierungsbehörde die Teilnehmerzahl im Mobilfunk erstmals nicht wesentlich erhöht.

Die Bundesnetzagentur verzeichnet für das vergangene Jahr 108,85 Millionen Mobilfunkteilnehmer (2009: 108,26 Millionen). Statistisch hat jeder deutsche Mobilfunknutzer 1,3 SIM-Karten, doch auch bei der sogenannten Mobilfunkpenetration schwächt sich das Wachstum deutlich ab. 55 Prozent der Teilnehmer nutzen eine vorausbezahlte SIM-Karte. Die Netzbetreiber E-Plus und Telefónica O2 konnten auch im Jahr 2010 ihre Marktanteile – bezogen auf SIM-Karten – ausbauen, nach Angaben der Netzagentur funken mehr als ein Drittel aller SIM-Karten in den E-Netzen. Das dürfte auch an der weiter steigenden Beliebtheit der No-Frills-Anbieter liegen. (vbr)