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Bundespräsident-Kandidat Gauck genießt große Sympathien im Netz

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Wäre die Bundespräsidenten-Wahl eine Abstimmung im Internet, Joachim Gauck hätte eine große Mehrheit sicher. Zumindest, wenn man der – allerdings nicht-repräsentativen – Umfrage auf dem Portal der ARD-Tagesschau glauben darf. Von den derzeit mehr als 88.000 Stimmen entfielen rund 78 Prozent auf den ehemaligen DDR- Bürgerrechtler. Wulff würden nur 12 Prozent wählen. Auch sonst regt sich im Internet viel spontane Unterstützung für Gauck.

Zu den Befürwortern des 70-Jährigen zählt der Blogger Nico Lumma. "Ich finde, dass Gauck nicht nur eine Alternative zu Wulff ist, sondern die bessere Wahl", sagt der Experte für Soziale Netzwerke, der bei der Werbeagentur Scholz & Friends arbeitet. Um das kundzutun, richtete er am Wochenende die Website www.wir-fuer-gauck.de ein. "Das Design ist noch nicht existent, aber Hauptsache, man artikuliert sich erstmal."

Lumma ist SPD-Mitglied. Die Aktion sei aber nicht mit den Gremien der Sozialdemokraten abgesprochen. "Mir ist wichtig, dass das Netz politisiert wird." Bis zum Nachmittag erklärten knapp 700 Nutzer ihre Unterstützung für die Aktion. Lumma hofft, im Laufe der Woche seine Initiative mit anderen Aktionen zusammenführen zu können.

Die Facebook-Gruppe zur Unterstützung des Pfarrers wäre dafür eine geeignete Anlaufstelle. Bis zum Montagnachmittag haben sich hier mehr als 8000 Nutzer versammelt. "Es geht nicht gegen Wulff oder Merkel", sagt Gruppengründer Christoph Giesa, selbst FDP-Mitglied. "In der Krise brauchen wir einen Präsidenten, der eint, nicht spaltet." Gauck sei ein "super Kandidat" – ein Parteipolitiker spalte dagegen immer.

Mit der Gründung der Gruppe war der 29-Jährige seiner Zeit voraus: Noch bevor SPD und Grüne Gauck präsentierten, hatte Giesa seine Unterstützung für Gauck kundgetan: "Er hat bei mir schon vor einigen Jahren einen bleibenden Eindruck hinterlassen."

Die Kandidatur des Pfarrers setzt im Netz einige Kreativität frei. Ein Facebook-Nutzer stellte beispielsweise den Entwurf eines T-Shirts mit dem Konterfei des parteilosen Kandidaten vor. "Diese Demokratie gehört auch uns! Wir sind Gauck!", steht darauf.

Der Web-Berater Thomas Pfeiffer, bei Twitter als @codeispoetry aktiv, hat ein Mosaik-Bild des Kandidaten programmiert. Der Clou: Es besteht aus Bildern jener Twitter-Nutzer, die eine Kurzmeldung mit dem Element "#mygauck" absetzen und so ihre Unterstützung zeigen. Am Montag war es als eines der beliebtesten Schlagworte unter den Trendthemen zu finden. (pmz)