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Bundesregierung: Digitalisierung natürlich, aber nachhaltig

Das Bundesforschungsministerium schmiedet einen Aktionsplan für Digitalisierung und Nachhaltigkeit, nennt aber keine konkreten Zielvorgaben.

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(Bild: Roschetzky Photography/Shutterstock.com)

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Das Bundesforschungsministerium (BMBF) will die Digitalisierung nachhaltig gestalten und hat dafür einen neuen Aktionsplan vorgestellt. Mit zahlreichen neuen Bildungs- und Forschungsinitiativen soll die Transformationsthemen Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammengeführt werden, sagte Staatssekretär Thomas Rachel anlässlich der Vorstellung des Aktionsplans "Natürlich. Digital. Nachhaltig." am Montag in Berlin.

Das Ministerium sieht in digitalen Innovationen eine Chance, mit Effizienzgewinnen klimawirksame Emissionen zu senken und dabei wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Digitalisierung werde so "zu einem Motor für mehr Nachhaltigkeit" und trage dazu bei, die Wirtschaft zu dekarbonisieren und ressourceneffizienter zu gestalten. Zugleich will das Ministerium den Stromhunger der Digitalisierung begrenzt sehen.

Das Forschungsministerium will laut dem Plan dazu Techniken fördern, die den Energie- und Ressourcenverbrauch von IT-Infrastrukturen reduzieren. Ab 2021 soll die Initiative "Green ICT – Grüne IKT" technologische Lösungen zur Verringerung des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen von informationsverarbeitenden und -speichernden Komponenten entwickeln. Dies bezieht sich etwa auf Sensorik, Digitalelektronik, Prozessoren oder Serverfarmen.

Mit der "Initiative Batterie 2020 Transfer" will das Forschungsministerium ab 2020 die Entwicklung wieder aufladbarer elektrochemischer Energiespeicher entlang der gesamten Wertschöpfungskette fördern, unter anderem um Batterien mit einer höheren Leistungsdichte und einem geringeren Ressourceneinsatz zu entwickeln.

Seit 2016 erforscht das Kopernikus-Projekt ENSURE, wie das Stromnetz an eine volatile Stromerzeugung angepasst werden kann. Bis 2023 soll ein neues Netzmodell im realen Betrieb getestet werden. Digitale Lösungsansätze sollen dazu beitragen, die verschiedenen Energiesektoren miteinander zu koppeln, damit erneuerbaren Energie auch für Wärme- oder Mobilitätsanwendungen genutzt werden können.

Das Forschungsministerium will außerdem die Industrie effizienter und damit nachhaltiger gestalten. Unter anderem geht es um Ansätze zur nachhaltigeren Inbetriebnahme und zum digitalen Probebetrieb, der physische Prototypen verzichtbar macht. Das ist etwa mit Virtual Prototyping und digitalen Prozessketten möglich. Mit Künstlicher Intelligenz soll die Effizienz im Logistik- und Mobilitätssektor steigen, was wiederum Ressourcen sparen hilft.

Ab 2020 soll die Fördermaßnahme "Wasser-Extremereignisse" Städte und Gemeinden besser auf solche Ereignisse vorbereiten, wofür digitale Instrumente für Monitoring, Analyse, Vorhersage und Kommunikation entwickelt werden. Im Rahmen des ab 2020 geplanten neuen Förderschwerpunkts "Digital GreenTech" soll intelligente Umwelttechnologien für die die Bereiche Wasserwirtschaft, Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz und nachhaltiges Landmanagement entwickelt werden.

Die Zielvorgaben des Aktionsplans werden nicht auf ein bestimmtes Klimaszenario bezogen, wie es eigentlich bei der Planung von Klimaschutz-Maßnahmen in Unternehmen inzwischen üblich ist. Der Aktionsplan enthält keine konkreten Fördervolumen und schlüsselt nicht auf, wieviel Gelder in bereits bestehende und in neue Förderungen fließen. Daher lässt sich schwer einschätzen, ob mit dem Aktionsplan wirklich ein Kurswechsel in der Förderpolitik des Ministeriums eingeleitet wird. Auch enthält der Plan keine Angaben dazu, ob und in welchem Ausmaß künftig bestimmte Nachhaltigkeitskriterien bei der Vergabe von Förderprojekten seitens der Projektnehmer berücksichtigt werden müssen.

Das BMBF interpretiert mit Blick auf die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele den Nachhaltigkeitsbegriff außerdem sehr umfassend. Ein Drittel des Aktionsplans bezieht sich prominent auf Programme in der Aus- und Fortbildung sowie den Bereich der IT-Sicherheit und des Datenschutzes. Dazu zählt etwa eine Forschungsinitiative zur "Resilienz digitaler Systeme", die ab 2021 an den Start gehen soll. Auch die Förderung von Hochleistungsrechnern findet hier ihren Platz, weil mit ihnen komplexe Klimamodelle gerechnet werden können. (vbr)