Bundesregierung: Keine "Nackt-Scanner" an deutschen Flughäfen

Mit den Ganzkörperscannern lassen sich Personen bis auf die Haut durchleuchten; die Kontrollierten sind für die Kontrolleure damit nackt zu sehen. In Deutschland sollen die Geräte, die die EU-Kommission zulassen will, nicht eingeführt werden.

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Von
  • Jürgen Kuri

Die Aufregung um die Einführung sogenannter "Nackt-Scanner" zur Personenkontrolle an Flughäfen legt sich langsam wieder. Die Bundesregierung sicherte zu, dass es die Ganzkörperscanner an deutsche Flughäfen nicht geben werde. Vertreter der EU betonten, dass die neuen Sicherheitskontrollen nur auf freiwilliger Basis eingesetzt werden sollen.

Mit den Ganzkörperscannern lassen sich Personen bis auf die Haut durchleuchten; die Kontrollierten sind für die Kontrolleure auf den Bildschirmen damit nackt zu sehen. So sollen versteckte Waffen oder Sprengstoffe aufgespürt werden. Dafür gibt es grundsätzlich drei technische Vorgehensweisen: Geräte, die am Göteborger Flughafen zum Einsatz kommen, arbeiten rein passiv mit der allgegenwärtigen Strahlung im Millimeterbereich: Durch Auswertung der verschiedenen Reflexions- und Absorptionseigenschaften von Kleidung, Gegenständen und menschlichem Gewebe lassen sich Körperkonturen sichtbar machen. Backscatter-Röntgentechnik wiederum nutzt die Compton-Streuung normaler Röntgenstrahlen an Oberflächen. Auch mittels Terahertz-Strahlung lässt sich eine Person bis unter die Kleidung durchleuchten.

Darstellung einer durchleuchteten Person bei einem Ganzkörperscanner

Die EU-Kommission will diese "Nackt-Scanner" ab 2010 für die Sicherheitskontrollen an Flughäfen in den EU-Mitgliedsstaaten zulassen. Nachdem dies als "Einführung der Nackt-Scanner" verstanden wurde, protestierte unter anderem das EU-Parlament; auch in Deutschland löste das Vorhaben heftige Reaktionen aus. Datenschützer, Politiker, Vertreter der Kirchen und auch der Polizei kritisierten den Einsatz der "Nackt-Scanner" als tiefen Eingriff in die Privatsphäre von Reisenden, den man nicht hinnehmen könne.

Die Bundesregierung stellte nun klar, dass Deutschland bei einer eventuellen Einführung der "Nackt-Scanner" nicht mitmache. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) schloss den Einsatz der umstrittenen Geräte aus, solange die Ganzkörperscanner Fluggäste nackt abbilden. Er halte es zwar für richtig, Geräte zu entwickeln, die das Abtasten von Passagieren ersetzen: "So lange solche Bilder entstehen, werden sie nicht eingesetzt werden", kommentierte Schäuble laut dpa unter Bezugnahme auf Aufnahmen der Ganzkörperscanner, in denen Personen vollständig nackt zu sehen sind. Eine Sprecherin des Innenministeriums betonte, die von der Bundespolizei angekündigten Tests fänden lediglich auf EU-Initiative statt: Jedes Land sei bei neuen Sicherheitstechniken aufgefordert, diese im Rahmen von Labortests zu beurteilen.

Passagiere aus Deutschland können aber natürlich im Ausland mit den Ganzkörperscannern konfrontiert werden. Günter Verheugen, Vizepräsident der EU-Kommission, verprach aber, dass die Geräte nur auf freiwilliger Basis zum Einsatz kommen sollen. Kein Reisender werde gezwungen, sich von den Geräten durchleuchten zu lassen.

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(jk)