Menü

Bundesregierung: "Weltraum-Datenautobahn" eignet sich gut zur Drohnensteuerung

Das Europäische Datenrelaissystem (EDRS), das gerade aufgebaut wird und das per Laser Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu 1,8 GBit/s ermöglichen soll, kann laut Regierungsangaben den Einsatzradius von Drohnen vergrößern.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 33 Beiträge

(Bild: Airbus)

Die Bundesregierung sieht zahlreiche Einsatzmöglichkeiten der künftigen "Weltraum-Datenautobahn" in Form des Europäischen Datenrelaissystems (EDRS) in den Bereichen der Sicherheitsbehörden und des Militärs. Dies geht aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken hervor, die heise online vorliegt.

Der Nutzen der mit EDRS gegebenen Satellitenaufklärung fast in Echtzeit sei für Aufgaben von Notfallorganisationen, Militär- und Grenzbehörden zu Unterstützung von Außeneinsätzen der EU und "zur Überwachung der Meere" bereits in verschiedenen europäischen und nationalen Forschungsvorhaben wie dem DeSecure-Projekt demonstriert worden, heißt es in dem Papier. Dabei seien technische Schnittstellen und Strukturen entwickelt worden, um "Datenprodukte" etwa der Sentinel-Satelliten des EU-Programms Copernicus möglichst schnell an die Anwender übermitteln zu können.

Eine erste Relaisstation für das Projekt, das die Europäische Weltraumorganisation ESA zusammen mit Airbus als Hauptauftragnehmer vorantreibt, befindet sich seit Januar auf einer geostationären Umlaufbahn. Sie soll Mitte 2016 in den operationellen Betrieb gehen. Eine zweite Übertragungsbasis soll im September 2017 starten. Die Stationen sollen mit Lasertechnik Informationen von niedriger kreisenden Satelliten zusammenführen und gebündelt rasch zur Erde übertragen.

Laut Bundesregierung bietet sich die Technik auch an, um Operationen mit unbemannten Flugobjekten beflügeln. "Die Laserterminals können die von den Drohnen gesammelten Daten über einen Satelliten zu einer Bodenstation senden." Dadurch sei der Flugkörper "länger in Verbindung mit der Bodenstation und kann den Einsatzradius vergrößern." Es sei "technisch möglich", Drohnen über das System zu "kommandieren". Dies sei "derzeit" jedoch auch vom Bundesverteidigungsministerium "nicht geplant".

Künftige leistungsfähigere und mit Waffen ausrüstbare Drohnen der Male- oder Hale-Klasse der Bundeswehr wie die Heron TP oder der Nato müssten zusätzlich mit einem Laser-Kommunikationsterminal und zugehöriger Steuerelektronik ausgerüstet werden, das mit dem EDRS kompatibel ist. Sonst könnten sie die "Weltraum-Datenautobahn" nicht nutzen.

Prinzipiell sei das Grenzüberwachungssystem Eurosur der europäischen Agentur Frontex, das sich auf Drohnen, Sensoren und Satellitensysteme stützt, in das Copernicus-Programm eingebunden und habe so auch EDRS-Anschluss. Auch die Europäische Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs (Emsa) sei beteiligt. Der Betrieb ihrer Dienste werde noch dieses Jahr beginnen.

Die Daten werden auf dem Space Data Highway "mittels phasenmoduliertem Laserlicht bei einer Wellenlänge von 1064nm" übertragen. Aufgrund der scharfen Bündelung des Strahls müssten die Terminals hochgenau ausgerichtet und nachgeführt werden. Jede Verbindung starte mit einer rund einminütigen "Akquisitionsphase", bei der mit einem räumlichen Scan dem Gegenstück die exakte Position mitgeteilt und im Anschluss daraus eine stabile Signalübergabe abgeleitet werde.

Mit dem Verfahren könne eine Übertragungsrate von bis zu 1,8 GBit/s erreicht werden, berichtet die Regierung. Dafür müssten niedrig kreisende Satelliten über das Laserterminal an den EDRS-Knoten ankoppeln. 50 Terabyte pro Tag könnten bei nahezu vollständiger Auslastung erreicht werden, wenn eines Tages vier Relaisknoten ihre Dienste verrichteten. Verschlüsselt würden die Daten "üblicherweise schon" auf den "Low-Earth-Orbit"-Satelliten der Kunden.

Die bisher im Gesamtprojekt entstandenen Kosten beziffert die Regierung auf rund 520 Millionen Euro. Diese würden größtenteils durch die Teilnehmerstaaten gedeckt, zu denen neben Deutschland etwa Belgien, Italien, Norwegen, Schweden, Österreich, die Schweiz und Großbritannien zählen. Die Bundesrepublik zahlt von den 320 Millionen den Löwenanteil in Höhe von 181 Millionen Euro. Der Rest wird aus Eigenleistungen der beteiligten Firmen wie Airbus, Landesmitteln aus Bayern und Forschungsmitteln des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gedeckt. "Hohes Interesse" sieht das Wirtschaftsressort an der Technik in Japan, Frankreich und den USA.

Der linke Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko appellierte an die Regierung, dass die Weltraum-Datenautobahn "nicht zu einer weiteren Militarisierung und damit schließlich in eine Sackgasse" führen dürfe. In der derzeitigen Strategie vermutet er eine "massive Subvention für die Rüstungsindustrie". (anw)