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Bundesregierung lehnt die IPv6-Pläne der ITU ab

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Die Bundesregierung lehnt die Pläne der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) ab, sich in die Vergabe von IPv6-Adressen einzumischen, teilte die BMI-Mitarbeiterin Constanze Bürger den auf der 60. RIPE-Konferenz in Prag versammelten RIPE-Mitgliedern mit. Laut der Stellungnahme (Powerpoint-Datei) sei der ITU-Vorschlag ein Versuch, das Management von IP-Adressen verstärkt staatlicher Kontrolle zu unterstellen.

Wörtlich heißt es dort: "Die von der ITU beabsichtigte Einmischung birgt erhebliche Risiken für das Funktionieren des Internets als Informationsmedium und kommerzielle Plattform. Daher sieht Deutschland wenig Vorteile in der Schaffung von nationalen IP-Adressvergabestellen, wie sie die ITU vorschlägt." Gegenüber den Regierungsvertretern und RIPE-Mitglieder in der Kooperationsarbeitsgruppe stellt Bürger klar, dass der deutsche Innenminister keine Verstaatlichung der Domainvergabe anstrebe – anderslautende Mitteilungen seien Falschmeldungen.

Bürger unterstützte zugleich eine von den RIPE-Mitgliedern diskutierte Erklärung zur Arbeit der IPv6-Arbeitsgruppe der ITU. Darin unterstützt die RIPE die Bemühungen der ITU bei der Aufklärung und beim Training für IPv6 besonders in den Entwicklungsländern. Angesichts der von einzelnen ITU-Mitgliedsländern geäußerten Kritik am System der Adressvergabe soll der operative Arm des RIPE (RIPE NCC) sich in die Debatten der eigens eingerichteten IPv6-Arbeitsgruppe der ITU einschalten.

Während der Aussprache mahnte der Chef der nordamerikanischen IP-Adressregistry ARIN John Curran zur Wachsamkeit: In den nächsten Monaten könnten aus irgendeiner der zahllosen Arbeitsgruppen der ITU ein Vorschlag für eine verstärkte ITU-Rolle bei der Adressvergabe kommen, der womöglich in der ITU-Generalversammlung im Herbst verabschiedet werde. Die ITU sei wie eine Hydra, und man wisse noch nicht einmal, wie und welche neuen Köpfe sich wann zeigten.Der Leiter der RIPE DNS-Arbeitsgruppe, Jim Reid, erinnerte an den Versuch der ITU, über Veränderungen des BGP-Protokolls ein aus der Telekommunikationsbranche bekanntes Abrechnungsmodell einzuführen. (rek)