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Bundesregierung trommelt im Internet für WM 2006

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Bundesinnenminister Otto Schily hat am gestrigen Sonntag auf der CeBIT gemeinsam mit dem Präsidenten des WM-Organisationskomitees, Franz Beckenbauer, die offizielle Internet-Seite der Bundesregierung zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 freigeschaltet. "Wir sind alle von Vorfreude erfasst auf das Ereignis", sagte Schily in Hannover. Unter www.wm2006.deutschland.de finden sich neben einer Übersicht zum Stand der WM-Vorbereitungen auch Informationen über den "Gastgeber Deutschland". Die viersprachige Web-Seite richtet sich an Fußballfans aus aller Welt.

Die Aktion erfolgte im Rahmen des CeBIT-WM-Tages, auf dem sich die Bundesregierung und ihre Partner sowie das Organisationskomitee präsentierten. "Erstmals gibt es im Vorfeld einer WM ein so hochkarätiges Kunst- und Kulturprogramm", sagte der Staatssekretär des Bundesinnenministeriums, Göttrik Wewer. Um die "kulturelle Vielfalt Deutschlands" zu zeigen, werde es Ausstellungen wie "Rundlederwelten" oder "Weltsprache Fußball" und zahlreiche Einzelprojekte geben. Herzstück sei der Fußball-Globus, der derzeit durch alle zwölf WM-Städte tourt. Die Bundesregierung unterstützt diese Aktionen mit rund 30 Millionen Euro.

Damit in 15 Monaten alle Besucher den Weg ins Stadion finden, hat das Bundesverkehrsministerium ein Reiseplanungsportal entwickelt, das auf der Internetseite der FIFA zu sehen ist. "Somit ist die komplette Reiseplanung per Internet möglich", sagte eine Sprecherin. Stadtpläne, Stau- und Verkehrsdaten sowie Informationen zu Bus,- Bahn und Flugverbindungen könnten abgerufen werden.

Die Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder mahnen unterdessen eine Überarbeitung der nach wie vor umstrittenen Ticketvergabe an. In einer gemeinsamen Entschließung (PDF) fordern sie, dass nur solche personenbezogenen Daten erhoben werden, die für die Vergabe unbedingt erforderlich sind. Die Datenschutzbeauftragten befürchten, dass mit der Personalisierung der WM-2006-Eintrittskarten eine Entwicklung angestoßen wird, die dazu führt, dass man zukünftig generell nur nach Preisgabe der persönlichen Daten an Veranstaltungen teilnehmen kann.

Rechtlich problematisch sei insbesondere die vorgesehene Erhebung und Verarbeitung der Pass- oder Personalausweisnummer. Der Gesetzgeber habe die Gefahr einer Nutzung der Ausweisseriennummer als eindeutige Personenkennziffer ausschließen wollen. Diese dürfe deshalb beim Ticketverkauf nicht gespeichert werden, weil sie zur Legitimation der Ticketinhaber beim Zutritt zu den Stadien nicht erforderlich sei. Nach Ansicht der Datenschützer sollte das Konzept der Ticket-Vergabe noch weiter überarbeitet werden. Eine solche Vergabepraxis dürfe nicht zum Vorbild für den Ticketverkauf auf Großveranstaltungen werden, die man grundsätzlich ohne Identifizierungszwang besuchen können müsste.

Weiterhin umstritten sind zudem die Pläne des Organisationskomitees, die WM-Tickets mit RFID-Labels (Radio Frequency Identification) auszustatten. Die Datenschützer glauben, dass damit in erster Linie ein Großprojekt zur Förderung der RFID-Technologie im Konsumentenbereich durchgepeitscht werden soll.

Siehe dazu auch: (pmz)