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Bundesregierung zahlt Millionen für Werbung auf Facebook

Über vier Millionen Euro hat die Bundesregierung in der vergangenen Wahlperiode für Banner auf Facebook hingeblättert. Vor allem das Bundesverteidigungsministerium ist auf dem sozialen Netzwerk werblich aktiv.

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Bundesregierung zahlt Millionen für Werbung auf Facebook

Allen Bedenken gegenüber mangelndem Datenschutz und unterlassener Rechtsdurchsetzung bei Facebook zum Trotz lässt sich die Bundesregierung die gezielte Nutzeransprache über das soziale Netzwerk einiges kosten. Allein zwischen Dezember 2013 und Oktober 2017 hat sie gut 3,9 Millionen Euro indirekt über beauftragte Werbe- oder Mediaagenturen für Anzeigen in die Plattform gesteckt. Dazu kamen im gleichen Zeitraum 2512 Euro, die die Regierung direkt für Banner dort gezahlt hat. Dies geht aus einer jetzt veröffentlichten Antwort des Presse- und Informationsamtes auf Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor.

In der laufenden Legislaturperiode hat die Regierung von Ende Oktober bis Dezember 2017 direkt und über Agenturen gut 670.000 Euro für Online-Werbung an Facebook geleistet, im ersten Quartal 2018 waren es rund 223.000 Euro. Dazu kamen zwischen Anfang 2014 und Ende Februar 2018 noch knapp 87.000 Euro für "gesponserte Meldungen", um eigene redaktionelle Beiträge stärker in die Newsfeeds der Nutzer zu bekommen. Auf diesem Feld war vor allem das Auswärtige Amt aktiv.

Der Löwenanteil der Ausgaben für klassische Banner entfällt mit über 3,3 Millionen Euro zwischen Dezember 2013 und Februar dieses Jahres auf das Bundesverteidigungsministerium. Es setzt zum Anwerben von Nachwuchs auf kostspielige Kampagnen wie die Videoserie "Die Rekruten", die wiederum per Online-Reklame bekannt gemacht werden sollen. Daneben haben vor allem das Bundesgesundheitsministerium sowie das Ressort für Justiz und Verbraucherschutz, das derzeit am heftigsten mit dem Netzwerk im Clinch liegt, monatlich bis zu 43.341 beziehungsweise 96.569 Euro für Anzeigen überwiesen.

Aus den Zahlen geht noch nicht hervor, inwieweit sich der Datenskandal rund um das soziale Netzwerk und die Big-Data-Firma Cambridge Analytica auf das Ausgabeverhalten ausgewirkt hat. Die meisten Bundesministerien unterhalten eigene Seiten auf Facebook, deren Verwaltung zumindest teilweise aus Bundesmitteln bestritten wird, was mit weiteren Millionenkosten zu Buche schlagen dürfte. Nur das Ressort für Ernährung und Landwirtschaft, das Bundesfinanzministerium und das Bundesministerium für Inneres, Bau und Heimat haben bislang keinen eigenen Auftritt auf der Plattform.

Die Ministerien versprechen sich von ihrer Präsenz vor allem eine zeitgemäße Öffentlichkeitsarbeit auf einem Portal mit großer Verbreitung. Die Rede ist von "zielgruppenorientierter Nutzerkommunikation" und der Hoffnung, rasch eine "hohe Dynamik" über "virale Effekte" mit "zahlreichen neuen Formaten und Trends" der sozialen Medien erreichen zu können. Mitglieder der Bundesregierung und Bundesbeauftragte erhalten weder Rabatte noch Vergünstigungen von Facebook beim Bewerben von Beiträgen einzelner Seiten. (mho)

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