zurück zum Artikel

Bundestag: Petitionsausschuss will Telearbeit stärker gefördert wissen

Stefan Krempl
Bundestag: Petitionsausschuss will Telearbeit stärker gefördert wissen

(Bild: Sata Production/Shutterstock.com)

Unter dem Eindruck der Coronavirus-Epidemie haben die Abgeordneten mit viel Verzögerung ein Ersuchen aufgegriffen, wonach mobiles Arbeiten vorankommen soll.

Der Petitionsausschuss des Bundestags setzt sich mehrheitlich dafür ein, Formen des mobilen Arbeitens wie Homeoffice stärker zu fördern und zu vereinfachen. Mit den Stimmen der Regierungsfraktionen von CDU/CSU und SPD empfehlen die Abgeordneten dem Parlament, ein einschlägiges Ersuchen dem Bundesarbeitsministerium "als Material" zu überweisen. Das Ressort soll die Sachlage prüfen und gegebenenfalls weitere Schritte einleiten.

FDP, Linke und Grüne hatten für das höhere Votum plädiert, die Petition der Bundesregierung "zur Erwägung" an die Hand zu geben. Die AfD-Fraktion war dafür, das Verfahren ohne weitere Schritte abzuschließen.

Die Petition stammt bereits vom September 2017 und hatte damals mit 51 Mitunterzeichnern nicht das nötige Quorum erreicht [1], um im Petitionsausschuss bevorzugt öffentlich beraten zu werden. Dafür hätten 50.000 oder mehr Personen das Anliegen, Formen der Telearbeit "im Rahmen der Digitalisierungsoffensive" stärker zu fördern, binnen vier Wochen unterstützen müssen. Unter dem Eindruck der Coronavirus-Epidemie griffen die Parlamentarier das Ersuchen mit zweieinhalbjähriger Verspätung nun aber noch auf. Entscheidend dafür ist letztlich allein der Inhalt einer Petition, das Quorum ist nur eine Richtschnur für den Ausschuss.

Der anonyme Petent begründete seine Initiative mit einem Verweis auf eine Erkenntnis des Wissenschaftlichen Diensts des Bundestags, laut der "bei 40 Prozent der Jobs in Deutschland keine dauerhafte Anwesenheit erforderlich wäre". Trotzdem arbeite nicht einmal ein Drittel der Bundesbürger zumindest gelegentlich vom Zuhause aus. Ein "besonders starkes Missverhältnis zwischen der Geeignetheit der Tätigkeit für Telearbeit und der tatsächlichen Nutzung" gebe es "bei den Finanzdienstleistungen und in der öffentlichen Verwaltung".

Vor dem Hintergrund steigender Immobilienpreise, Verkehrsbelastungen, der leidenden Luftqualität in Ballungszentren und dem gleichzeitigen "Dorfsterben" brachte der Antragsteller Formen der mobilen Beschäftigung wie Homeoffice oder alternierende Telearbeit "als Teil der gesellschaftlichen Lösung" solcher Probleme ins Spiel. Als Vorteile nannte er etwa eine "Stärkung strukturschwacher Regionen", eine verringerte Gefahr für "Verkehrsinfarkte" und einer "besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf". Diese überwögen Nachteile wie fehlende Dienstaufsicht, zu lange Arbeitszeiten oder die Vermischung von Privat- und Berufsleben, die zudem durch abwechselnde Tätigkeitsorte ausgeglichen werden könnten.

heise jobs – der IT-Stellenmarkt

Zu Arbeitsplätzen und Stellenangeboten in der IT-Branche siehe auch den Stellenmarkt auf heise online:

Der Petitionsausschuss macht in seiner Empfehlung darauf aufmerksam, dass Beschäftigte, die in Telearbeit arbeiten möchten, dieses Anliegen bereits heute weitestgehend mit ihrem Arbeitgeber erörtern und vereinbaren könnten. Es gebe oft die Möglichkeit, individuelle und passgenaue Arbeitsmodelle zu entwickeln, "die die Wünsche der Beschäftigten und die betrieblichen Belange angemessen berücksichtigen". (axk [3])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4676982

Links in diesem Artikel:
[1] https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2017/_09/_16/Petition_73735.nc.html
[2] https://jobs.heise.de?wt_mc=intern.newsticker.dossier.jobs
[3] mailto:axk@heise.de