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Bundestag will Hochfrequenzhandel entschleunigen

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Mit den Stimmen der schwarz-gelben Regierungsfraktion hat der Bundestag am Donnerstag den Gesetzesentwurf (PDF-Datei) zur Regulierung des Hochfrequenzhandels verabschiedet. Damit soll der computerisierte, ultraschnelle Börsenhandel von Wertpapieren beschränkt und entschleunigt werden. SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen stimmten geschlossen dagegen. Der Opposition geht die Regelung nicht weit genug.

Das Gesetz sieht eine Reihe von Regelungen vor, unter anderem erweiterte Auskunfts- und Eingriffsrechte der Börsenaufsichtsbehörde BaFin. So darf die Behörde jederzeit von einem Wertpapierhändler "Informationen über seinen algorithmischen Handel und die für diesen Handel eingesetzten Systeme anfordern“.

Ebenso werden bestimmte Handelspraktiken verboten, die mit irreführenden Kursentwicklungen für Marktmanipulationen genutzt werden können, wie die Tagesschau meldet. Neben Gebühren für exzessive Nutzung von Handelssystemen wird den Händlern auch ein angemessenes Verhältnis zwischen Anfragen und tatsächlich ausgeführten Orders vorgeschrieben. Ebenso sollen den Börsen kurze Handelspausen bei extremen Kursauschlägen gestattet sein.

Besonders umstritten war, ob die von der Opposition geforderte Mindesthaltefrist für Wertpapiere eingeführt werden solle. Der Vorschlag konnte sich nicht durchsetzen. Hans Koschyk (CSU), parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium, hielt in der Debatte eine auf Deutschland beschränkte Haltefrist für nicht sinnvoll, da sie den Börsenstandort Deutschland gefährde. Der FDP-Abgeordnete Björn Sänger beschwor ebenfalls die Gefahr der Verlagerung des Handels ins Ausland.

Ein speziell für den Hochfrequenzhandel entwickelter "High-Speed"-Server des Herstellers Supermicro.

(Bild: Supermicro)

Bei dem umstrittenen hochfrequenten Handel (High-Frequency Trading) werden große Mengen an Wertpapieren von Computersystemen ohne menschliches Zutun in extrem schneller Folge ge- und wieder verkauft. Die Transaktionen gehen dabei teilweise in Milli- oder Mikrosekunden über die Bühne, selbst die Verzögerungszeiten der physischen Netzwerke im Börsenhandel spielen mittlerweile eine Rolle. Daher setzen die Händler auf Systeme mit besonders geringen Latenzen. Einige HFT-Börsenhändler verwenden besonders hoch taktende Prozessoren, stellen ihre Server in Rechenzentren auf, die besonders dicht an Börsen liegen, oder investieren gar in spezielle Hochgeschwindigkeitsnetze.

Das Handelsblatt spricht von Schätzungen, laut denen an den US-Börsen inzwischen rund 70 Prozent der Transaktionen hochfrequent laufen, in Deutschland etwa die Hälfte. Die algorithmischen Aufrüstung des Handels ermöglicht es zum Beispiel, den sogenannten Arbitragenhandel besonders effizient zu betreiben. Dabei werden kleine Preisdifferenzen an verschiedenen Handelsplätzen ausgenutzt, um mit enormer Anzahl von in Sekundenbruchteilen gehandelten Wertpapiere erhebliche Gewinne einzufahren. Befürworter des Algo-Tradings gehen insgesamt davon aus, dass die algorithmisierten Handelsmethoden die Märkte effizienter machen.

Allerdings birgt der computerisierte Handel auch erhebliche Gefahren, etwa Versuche von Kursmanipulationen oder die Überlastung der Handelssysteme durch sehr hohe Orderaufkommen. Außerdem spricht vieles dafür, dass High-Frequency Trading die Märkte instabiler macht und sogenannte Flash-Crashes, extreme Schwankungen in kurzer Zeit, verursacht. So hatte es in der Vergangenheit mehrfach zu großen Kursausschlägen geführt, zuletzt etwa am 17. September 2012. An diesem Tag war der Ölpreis innerhalb weniger Minuten um fast fünf Prozent gefallen. Im Mai 2010 hatte der automatisierte Handel den US-Börsenindex Dow Jones um 1000 Punkte abstürzen lassen.

Auch die Händler können dabei ihren Systemen zum Opfer fallen, wie das Beispiel Knight Capital gezeigt hat: Mittels einer neuen Software für den automatischen Handel verzockte der bedeutende US-Börsenhändler 2012 binnen 45 Minuten rund 440 Millionen Euro. (axk)

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