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Bundestagsabgeordnete mit Trojaner abgehört

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Journalisten vom ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus berichten, dass es ihnen gelungen sei, die Bundestagsabgeordnete Angelika Beer über das Mikrofon ihres Laptops abzuhören. In dem Experiment, für das sich die Abgeordnete freiwillig zur Verfügung stellte, installierte Plusminus per E-Mail ein Trojanisches Pferd auf Beers Notebook. Das Programm nutzte das eingebaute Mikrofon, um das Opfer zu belauschen. Die Sendung wird am morgigen Dienstag ab 21.55 Uhr auf ARD ausgestrahlt.

Nach Angaben von Plusminus war nicht einmal eine ständige Internet-Anbindung für das Abhören nötig – offenbar versendet das Programm die abgehörten Sprachaufnahmen nicht per Streaming, sondern verschickt zwischengespeicherte Aufzeichnung immer dann, wenn eine Internet-Verbindung aufgebaut ist. Mit entsprechender Kompression belegen Sprachaufnahmen nur wenig Speicherplatz – eine einstündige Abhöraufnahme ließe sich auf unter zwei Megabyte Speicherplatz reduzieren. Die Tonqualität ist dann nicht optimal, allerdings reicht es, um menschliche Sprache in ausreichender Qualität zu speichern.

Diese Abhörmethode ist nicht neu, sie ist indes bisher kaum bekannt. Der renommierte Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom hat dafür laut Plusminus eine einfache Erklärung: "Es gibt ein Schweigekartell zwischen Herstellern aus der Computerbranche und dem Bundesnachrichtendienst. Denn der BND setzt im Ausland bei begründeten Verdachtsfällen diese Technik selbst ein." (pab/c't)/ (wst)