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Bundestagsanhörung: "E-Sportler sehen sich als Athleten"

Im Sportausschuss ging es um die Frage, inwieweit E-Sport dem klassischen Sport gleichgestellt werden kann. Knackpunkt sind insbesondere die Ego-Shooter.

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Bundestagsanhörung: "E-Sportler sehen sich als Athleten"

League of Legends auf der Gamescom.

(Bild: Gamescom)

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Sollten E-Sport-Vereine wie klassische Sportvereine als gemeinnützig anerkannt und damit steuerlich privilegiert werden? Insbesondere mit dieser Frage hat sich am Mittwoch der Sportausschuss des deutschen Bundestags beschäftigt. Vertreter der E-Sport-Szene verdeutlichten dabei, dass sie eine Trennung in Sportsimulationen und E-Gaming, wie es der Deutsche Olympische Sportbund empfohlen hatte, nicht akzeptieren wollen.

Hans Jagnow, Präsident des E-Sport-Bunds Deutschland (ESBD), präsentierte den E-Sport als gesellschaftlich breite Bewegung, die zwar andere Eigenschaften als bereits etablierte Sportarten habe, aber diesen in keinem Punkt nachstehe. Wenn der Gesetzgeber den E-Sport als gemeinnützig anerkenne, erkenne er nur eine gesellschaftliche Realität an. Die professionellen E-Sportler seien kaum von anderen Sportlern zu unterscheiden, auch wenn sie während der Ausübung hinter einer Konsole säßen: "Die Menschen verstehen sich als Athleten, als Sportler", betonte Jagnow.

Mit dieser Ansicht stieß der Verbandsvertreter auf teilweise heftigen Widerspruch der vom Ausschuss bestellten Experten. Insbesondere die Sportwissenschaftlerin Prof. Dr. Carmen Borggrefe von der Universität Stuttgart sprach dem E-Sport jede Qualifizierung als Sportart ab. "Die Faszination des Sports liegt doch gerade darin, dass man hier mit Hilfe des Körpers noch Unmittelbarkeit und Authenzität erfahren kann, was in anderen Gesellschaftsbereichen zunehmend verdrängt wird", betonte Borggrefe. Deshalb gelte es, sich nicht für den E-Sport zu öffnen, vielmehr sei eine Abgrenzung notwendig. Schon die Aufnahme des Motorsports in den 1980er Jahren sei aus ihrer Sicht ein Fehler gewesen.

Auch der Leipziger Sportpsychologe Junior-Professor Thomas Wendeborn sieht die Hinwendung der Politik zum E-Sport als kritisch. Die vom ESBD vertretene These, dass E-Sport den Jugendlichen bei dem Erwerb wichtiger Fähigkeiten in einer zunehmend digitalisierten Welt helfe, sei durch nichts bewiesen. "Eine E-Sport-Rendite ist hier nicht erkennbar", erklärte Wendeborn. Gleichzeitig erkannte er die gesellschaftliche Funktion der stark wachsenden E-Sport-Vereine an. Die Leistung der vielen Ehrenamtlichen, die sich etwa als Trainer oder Schiedsrichter engagierten, sei durchaus mit der Arbeit der klassischen Sportvereine zu vergleichen.

Der Deutsche Olympischen Sportbund (DOSB) hatte sich Ende 2018 auf eine vermeintliche Mittel-Position festgelegt: Der Spitzen-Sportverband hat einen Platz für Sport-Simulationen innerhalb der klassischen Sportvereine eingeräumt – alle anderen Titel aus dem E-Sport-Bereich will der Verband jedoch als "E-Gaming" abqualifizieren. In der Ausschusssitzung stellte Veronika Rücker, Vorstandsvorsitzende des DOSB klar, dass sie in den virtuellen Sportarten in erster Linie einen Weg sieht, um neue Zielgruppen für klassische Sportarten zu begeistern.