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Bundeswehr: Daten nach Datenpanne wieder aufgetaucht

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Die Datenpanne der Bundeswehr ist aufgeklärt – zumindest was die Daten selbst angeht. Nach einem Bericht von Report Mainz konnten Fachleute Daten von 1.307 Festplatten des "Zentrums für das Nachrichtenwesen der Bundeswehr" (ZNBw) mit forensischen Mitteln rekonstruieren. Das geht aus einem Untersuchungsbericht des Verteidigungsministeriums hervor, den Report Mainz einsehen konnte.

Zu den "entlöschten" Festplatten gehöre auch die Harddisk eines Laptops, der vom dem Kommando Spezialkräfte (KSK) in Afghanistan benutzt worden sein soll. KSK-Soldaten sollen den in Bremen geborenen Türken Murat Kurnaz im afghanischen Kandahar verhört haben, ehe Kurnaz nach Guantanomo Bay deportiert wurde. Allerdings wurde der besagte Laptop gestohlen und tauchte nach Monaten in Neapel auf. Entsprechend heißt es beim Verteidungungsministerium, dass auf der rekonstruierten Festplatte "keine für den Untersuchungsauftrag relevanten neuen Dokumente" gefunden wurden. Der Kurnaz-Untersuchungsausschuss erhält damit keine erhellenden Unterlagen. Nach Einschätzung des Ministeriums soll der "weitaus überwiegende Teil" der verlorenen Dateien wieder verfügbar sein. Allerdings könne man mit letzter Gewissheit nicht sagen, ob alle Dateien wieder da sind, weil die Namen der verloren gegangenen Dateien nicht bekannt seien.

Schon frühzeitig hatte es Zweifel an der Datenpanne der Bundeswehr gegeben, die damit begründet wurde, dass Bänder mit den Sicherheitskopien jener Festplatten durch einen technischen Defekt nicht mehr lesbar gewesen wären und daher vernichtet worden seien. Experten hatten seinerzeit darauf hingewiesen, dass Spezialfirmen für Datenrettung ebenso wie Fachleute beim Bundeskriminalamt über Mittel und Wege verfügen, beschädigte Datenträger lesbar zu machen. Mit der nun offenbar erfolgreich durchgeführten Datenrekonstruktion zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr ist die mysteriöse Datenpanne rund um die Affäre Kurnaz noch nicht zu Ende. In einer ersten Reaktion auf die neue Wendung kündigte der zuständige Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Peter Wichert, gegenüber dem ARD-Magazin an, den Vorgang disziplinarrechtlich untersuchen zu lassen.

Siehe dazu auch:

(Detlef Borchers) / (jk)

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