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Bundeswehr meldet hohen IPv6-Adressbedarf beim RIPE an

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Ein Vertreter des Bundesverteidigungsministeriums hat bei der regionalen Internet-Registry Reseaux IP Européens (RIPE) den hohen Bedarf an IPv6-Adressressourcen erläutert, den das deutsche Militär erwartet. Die Bundeswehr rüste aktuell die Streitkräfte mit neuer Hardware für ein modernes, mobiles Netz für Auslandseinsätze aus, das die Vernetzung auch kleiner Einheiten sowie von Sensornetzen und Waffensystemen erlaube. Der Adressbedarf für die jeweils beweglichen Zugangsnetze, an denen bis zu 4000 Endgeräte hängen, sei beträchtlich. "Ein /32CIDR-Adressblock, wie ihn die britischen Kollegen beim RIPE beantragt haben, reicht uns nicht", sagte Jörg Wellbrink, im Verteidigungsministerium für das Kommunikationssystem der Bundeswehrnetzes zuständig, gegenüber heise online – einen konkreten Antrag auf Adresszuteilung hat das Verteidigungsministerium aber noch nicht gestellt.

Der britische IPv6-Antrag fiel nach Einschätzung von Wellbrink deshalb so bescheiden aus, weil ein /32-Block das größte IPv6-Adresspaket ist, für das der Antragsteller kein Nutzungskonzept beim RIPE NCC vorlegen muss. Nach den Regeln des RIPE lasse sich der Adressbedarf, wie ihn die Streitkräfte hätten, schwer begründen, sagte Wellbrink. Das sei auch der Grund für seinen Vortrag beim RIPE-Treffen in Lissabon und Gespräche mit einem der Analysten des RIPE NCC. "Es ist gut, dass wir hier verstehen, dass es andere Nutzer gibt als Internet-Provider oder Kabelnetzbetreiber, die dann die Zahl ihrer Boxen für die Nutzungsintensität angeben", sagte ein Teilnehmer.

Von IPv6 ist Weilbrink sehr überzeugt. Beim Versuch, bei internationalen Einsätzen die verschiedenen Streitkräfte zu vernetzen, schafft Network Address Translation (NAT) erhebliche Probleme. Bei einer internationalen Übung Mitte September, an der laut Weilbrink 40 Länder teilnahmen, hätten die IT-Administratoren alle Hände voll damit zu tun, Überschneidungen gleich lautender, privater IPv4-Adressen in den Griff zu bekommen. Bei einem regulären Einsatz habe man die IT-Spezialisten aber nicht dabei, erklärt Wellbrink; daher: "bitte kein NAT!" Mit IPv6, hoffen die Spezialisten bei der Bundeswehr, werde die Administration des weitverzweigten Netzes samt seiner mobilen Ausleger leichter. Bei der NATO werde über das Thema bereits in einer eigenen Arbeitsgruppe diskutiert, "allerdings noch nicht so im Detail, wie wir uns das wünschen würden", sagte Wellbrink. Über die IPv6-Pläne und Projekte der US-amerikanischen Militärs sei wenig bekannt.

Warum die Bundeswehr trotzdem auch beim ganz neu eingerichteten "Mobilen Kommunikationssystem der Bundeswehr" eine Dual-Stack Lösung mit IPv4- und IPv6-Protokoll setzt, wollten die Teilnehmer des RIPE-Treffens wissen. Weilbrink verwies darauf, dass im "Homeland"-Netz noch für einige Zeit IPv4 genutzt wird. Außerdem ersetze man zwar aktuell die Hardware fürs Netz und schaffe dabei für den Backbone- und die mobilen Ad-Hoc- und Zugangsnetze modernste Hardware etwa von Cisco an; doch es gebe noch viele Endgeräte und vor allem auch Software, die nicht IPv6-fähig sei. Wie viel das gesamte neue Kommunikationssystem kostet, konnte Wellbrink nicht beziffern. Für den eigenen Satelliten und die entsprechenden Empfänger habe man aber bereits rund 800 Millionen Euro ausgegeben. Die IPv6-Adressen sollen vom Bundesinnenministerium, das künftig als Local Internet Registry auftreten will, beim RIPE mit beantragt werden. (jk)