Bundesweit erstes Streckenradar erwischt knapp 900 Temposünder

Streckenradare sind "fairer" als punktuelle Blitzer, sagt Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius in der Bilanz zur ersten Section Control in Deutschland.

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Streckenradare könnten auch auf anderen Abschnitten in Deutschland eingesetzt werden.

(Bild: Birgit Reitz-Hofmann / Shutterstock.com)

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Ein halbes Jahr nach dem Neustart des bundesweit ersten Streckenradars "Section Control" hat die Anlage zahlreiche Temposünder erwischt. Insgesamt 874 Anzeigen wegen zu schnellen Fahrens habe es seit der Inbetriebnahme am 14. November 2019 bis einschließlich 3. Mai gegeben, teilte das niedersächsische Innenministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Die Anlage an der Bundesstraße 6 bei Laatzen in der Region Hannover misst das Tempo nicht an einer einzelnen Stelle, sondern ermittelt die Durchschnittsgeschwindigkeit auf einem gut zwei Kilometer langen Abschnitt. Dafür werden die Kennzeichen aller vorbeifahrenden Autos unabhängig von ihrem Tempo erfasst und kurzfristig und anonymisiert gespeichert. Ähnliche Anlagen gibt es beispielsweise in Österreich.

Das Überwachungssystem war im vergangenen Jahr zeitweise wegen einer Klage abgeschaltet worden. Ein Rechtsanwalt hatte datenschutzrechtliche Bedenken angemeldet. Das niedersächsische Oberverwaltungsgericht in Lüneburg wies die Klage Mitte November ab, die Anlage ging wieder in Betrieb.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagte, die Entwicklung werde weiter genau beobachtet. Er wolle das Projekt im Herbst der Innenministerkonferenz vorstellen – aus anderen Bundesländern sei Interesse signalisiert worden.

"Aus meiner Sicht kann 'Section Control' definitiv für ganz Deutschland ein sinnvoller Ansatz für mehr Verkehrssicherheit sein", sagte Pistorius. "Im Gegensatz zum punktuellen Blitzen ist es auch fairer, weil es nicht nur an einem Punkt, sondern über eine längere Strecke die Geschwindigkeit misst."

(olb)