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Buntes Brillengestell soll zuverlässig Gesichtserkennung austricksen

Ein farbig bedrucktes Brillengestell kann angeblich selbst hochmoderne Systeme zur Gesichtserkennung in die Irre führen. Selbst für Bezahlsysteme genutzte Techniken versagten angesichts des kreativen Gestells.

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Buntes Brillengestell kann Gesichtserkennung austricksen

Die Muster auf dem Brillengestell brachten selbst kommerzielle Systeme zur Gesichtserkennung aus dem Tritt.

(Bild: Carnegie Mellon University)

Immer mehr Systeme setzen auf die Erkennung von Gesichtern zur Authentifizierung von Nutzern. Die Sicherheit der dabei genutzten Gesichtserkennung stellt ein Forschungspapier der Carnegie Mellon University nun aber in Frage. Zur Überlistung der KI-Erkennungsmuster genüge ein buntes Brillengestell. Dieses erinnert optisch an klassische Farbfilterbrillen. Gläser sind nicht nötig, dafür wurde das breite Gestell mit einem chaotisch wirkenden Farbmuster versehen.

Mit dem Brillengestell konnten nach Aussagen der Forscher sogar kommerzielle Systeme zur Gesichtserkennung so in die Irre geführt werden, dass sie in jedem Fall die falsche Person erkannten. Auch das bei der chinesischen Handels- und Kommunikationsplattform Alibaba genutzte System namens smile-to-pay, mit dem Nutzer Zahlungen per Handy-Selfie auslösen können, habe das bunte Brillengestell verlässlich ausgetrickst.

Aktuelle Systeme zur Gesichtserkennung setzen auf neuronale Netzwerke, die Muster aus einer Fülle an Informationen herausfiltern können. Wird ein solches System mit Millionen Gesichtern gefüttert, kann es Unterschiede erkennen und Personen so voneinander unterscheiden. Körperliche Eigenheiten wie die Position und Form der Nase oder Augenbrauen sind für die Software entsprechend wichtig.

Genau diese Bereiche werden von der bunten Brille aber teilweise verdeckt, das aufgedruckte Muster lässt die Software zur Gesichtserkennung aber dennoch Eigenheiten erkennen, die fälschlicherweise als Gesichtsdetails verwertet werden. Ein männlicher Proband wurde allein durch das Tragen der Brille als die Schauspielerin Milla Jovovich erkannt, mit einer Genauigkeit von 87,87 Prozent. Eine Asiatin hielt die Software durch das Brillengestell hingegen für einen Mann aus dem arabischen Raum.

Die Erfolge der Forscher sind nicht nur theoretischer Natur: In weiteren Testläufen musste das Brillengestell gegen ein kommerzielles Angebot zur Gesichtserkennung antreten. Das auch von Lenovo, Intel oder Alibaba genutzte System Face++ ließ sich demnach teilweise mit hundertprozentiger Sicherheit hinters Licht führen. Hierfür nötig war nur ein jeweils individueller Rahmen, der auf Hochglanzpapier gedruckt und am Brillengestell befestigt wurde. Die Kosten für eine solche Brille sind mit 0,22 US-Dollar vernachlässigbar.

Mit ihrem Forschungspapier wollen die Forscher der Carnegie Mellon University zeigen, dass selbst moderne Systeme zur Erkennung von Gesichtern wirkungsvoll ausgetrickst werden können. Allein durch ein buntes Brillengestell könnten Personen der Erkennung durch Kameras entgehen oder sich alternativ als eine andere Person ausgeben. (Denise Bergert) / (mho)

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