Burda: Aus für Privatsphäre-Browser Cliqz

Keine Chance gegen Google: Die Browser- und Such-Alternative aus München wird eingestellt.

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(Bild: cliqz)

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Als Gegengewicht zum Marktführer Google sollte Cliqz im Browser- und Suchmaschinenmarkt konkurrieren. Nun zieht der Mehrheitseigner Hubert Burda Media für den größten Teil der Aktivitäten den Stecker: 45 Mitarbeiter sind betroffen. Weitergehen soll es aber bei der Cliqz-Tochter Ghostery.

Das Münchener Startup war 2008 gegründet worden und hatte zunächst eine Browser-Erweiterung zur Verbesserung der Privatsphäre der Nutzer herausgegeben. Mit dem Investment durch den Münchener Großverlag Burda wurde das Projekt jedoch größer. So versuchte die Firma Suchmaschine und Browser zu vereinen – eine klare Kampfansage an Google.

Doch trotz ständiger Weiterentwicklungen und der Übernahme des Anti-Tracking-Dienstes Ghostery und der Unterstützung durch Minderheitseigner Mozilla konnte der Alternativ-Browser niemals eine relevante Marktstellung erreichen. "Wir haben gegen einen übermächtigen Gegner wie Google, der den Markt in jeglicher Hinsicht dominiert und abschottet, langfristig keine Chance", erklärt Cliqz-Gründer Jean-Paul Schmetz.

Burda-Chef Paul-Bernhard Kallen nennt als Grund für das Ende die aktuelle Krise: "Hinzu kommt, dass durch die Corona-Pandemie ein weitreichendes Innovationsprogramm in Europa auf absehbare Zeit nicht zu erwarten ist, sodass wir alleine diesen Weg nicht länger vorantreiben können." Sowohl Browser als auch Suchmaschine sollen ab Mai nicht mehr weiterentwickelt werden.

Während der Browser die Tracking-Skripte der meisten Werbeanbieter unterdrückte, versuchte Burda mit dem Startup auch einen neuen Werbemarkt zu etablieren, der auch den Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung genügen sollte. Hierzu diente etwa die Erweiterung MyOfferz, die den Nutzern über lokal abgespeicherte Regeln zielgerichtet Werbung zuspielen sollte.

Wenn etwa die Nutzer nach einer Autoversicherung suchen, sollten Autoversicherer ihre Werbung zielgenau ausspielen können, ohne dass dafür Personenprofile angelegt werden. Burda will nun prüfen, dieses Angebot in den Konzern zu integrieren. Zusätzlich soll ein neues Expertenteam gebildet werden, das sich um Themenbereiche wie Künstliche Intelligenz kümmert.

(axk)