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Busspur ahoi: Freie Fahrt für Elektroautos

Bisher sind nur wenige Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs. Die Bundesregierung will nun Kaufanreize schaffen, indem sie den E-Autos freie Fahrt auf Busspuren gewährt. Städte und Kommunen lehnen das Gesetzvorhaben kategorisch ab.

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Die Zahl der Autos mit alternativen Antrieben auf deutschen Straßen ist noch sehr überschaubar. Sie macht derzeit nur einen Bruchteil der Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor aus. Seit Januar wurden nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) knapp 4800 Elektroautos neu zugelassen, dazu kamen rund 16.000 Hybridautos mit einer Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor. Beim Fahrzeugbestand gab es laut KBA Anfang Januar rund 12.000 Fahrzeuge mit Elektro- und etwa 85.500 mit Hybridantrieb - bei insgesamt 43,9 Millionen Pkw in der Bundesrepublik.

Freie Fahrt für Elektroautos (4 Bilder)

Die Limousine Model S des Elektroauto-Hersteller Tesla hat hohe Entwicklungskosten verschlungen.
(Bild: Tesla)

Die Bundesregierung will die Einführung von Elektroautos nun fördern, indem sie den Fahrern erlaubt, für Busse reservierte Fahrwege zu nutzen. Bis 2020 sollen dadurch eine Millionen E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs sein. Als größte Probleme gelten die vergleichsweise geringe Reichweite der Autos, die hohen Anschaffungskosten und eine bislang wenig ausgebaute Infrastruktur.

In Skandinavien will man diese Problem anders angehen: In Fahrbahnen eingelassene Leitschienen sollen die Energieversorgung der E-Autos sichern. In den USA soll Siemens dagegen an einer "elektrischen Autobahn" Pilotversuche durchführen, bei der Oberleitungen die Stromversorgung für Hybrid-LKWs sicherstellen. Ähnliche Systeme sind in den Staaten und in Südeuropa bei Trolley-Bussen seit langem üblich. In Stuttgart starten erste Versuche mit E-Taxis; fünf solcher Fahrzeuge kurven demnächst durch die Straßen der Bahnhofs-Stadt.

Das Gesetz zur Nutzung von Busspuren und spezieller kostenloser Parkplätze für E-Autos soll bald das Kabinett passieren und zum 1. Februar 2015 in Kraft treten. Kaufprämien lehnt die Bundesregierung ab; sie fördert stattdessen Forschung und Entwicklung. Wie aus einer dpa-Umfrage hervorgeht, sind die Großstädte alles andere als begeistert von dem geplanten Gesetz.

Die Spuren seien grundsätzlich dazu gedacht, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu beschleunigen. Da aber auch Fahrräder und Taxen die Spuren nutzen dürften, sei die "Obergrenze" erreicht, erklärte beispielsweise Petra Rohland, Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Auch mögliche kostenlose Parkplätze für E-Autos sehe Berlin kritisch. München, Stuttgart und Bremen hatten sich demnach ebenfalls dagegen ausgesprochen: Eine Behinderung der Massenverkehrsmittel durch relativ wenige Elektroautos sei keine Maßnahme, die verkehrspolitisch gewünscht sein kann, beschied das Bremer Umweltressort. Auch der Deutsche Städtetag hat der Idee eine Absage erteilt.(mit Material von dpa) / (uk)