CCC-Sommercamp: Biometrie, Schweiß und cremen

Impressionen vom zweiten Tag im Bildungscamp für Datenreisende: Die Biometrie und die Überwachungstechnik bildeten einen der Schwerpunkte.

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In der Hitze schwitzt der Mensch. Im Sommercamp des CCC in Altlandsberg bei Berlin ist das nicht anders als im übrigen Deutschland. Dafür gibt es einen lieblichen See, in dem sich die Besucher abkühlen können. Seife ist verboten. Bleibt somit die Erkenntnis: In der Hitze stinkt der Mensch. Das ist bei Hackern anders als bei den Daten, die sie liebevoll bearbeiten. Die Daten aber haben Vorrang: Lieber eine schnelle Internet-Anbindung (auch wenn sie manchmal arg stottert) als ausreichend Duschen, so haben die CCCler die Prioritäten gesetzt. Sechs Duschen mit unterdimensionierten Abwassertank für über 1000 Camper sind das Resultat. Ist der Tank voll, werden die Duschen geschlossen, bis der Abwasserwagen kommt. Als kreative Übergangslösung wird der Schweiß mit Sonnencreme auf der Haut gemischt. Aber auch das Eingecremte muss einmal abgewaschen werden...

Zwischen der Biologie des Menschen und der Biometrie besteht ein Zusammenhang. Es gibt Merkmale, die man auch nach vier Tagen im CCC-Camp nicht abscheuern kann: Fingerabdrucke bleiben, die Iris wird nicht weggewaschen. Allenfalls kann eine Rasur bei Hackermännchen das Aussehen so nachhaltig verändern, dass die Gesichtserkennung streikt. Die Biometrie und mit ihr die Überwachungstechnik bildeten einen der Schwerpunkte am zweiten Tag des Bildungscamps für Datenreisende.

Einen enormen Andrang verzeichnete der Workshop von Lisa Thalheim und Jan Krißler, zu denen der rüstige Rene Baltus von der Firma Hesy (Handschriften-Erkennungs-System) stieß. Zunächst wurden die wichtigsten Biometrie-Verfahren kurz vorgestellt, dann die wichtigsten Methoden, die Systeme zu attackieren. Mit der Auforderung, selbst kreative Wege zu finden, endete der Vortrag und eine große Drängelei um die ausgestellten biometrischen Geräte setzte an.

Erich Moechel referierte im Anschluss über biometrische Daten in Ausweisen, zu denen er mit seinem q/unitessenz-Team eine umfangreiche Dokumentensammlung angelegt hat, die ständig von aufmerksamen Netizen erweitert wird. Moechel machte klar, das mangels internationaler Standards hochauflösende Passbilder im JPEG-2000-Format zunächst das Material sind, aus denen die Länder jeweils unterschiedliche biometrische Daten ziehen. Er stellte dazu kurz die Entwicklungsgeschichte der Transponder (RFID-Chips) vor, die seiner Ansicht nach in Zukunft dazu benutzt werden, biometrische Daten abzuspeichern. Für Bilder wären freilich 70 bis 80 KByte Speicherplatz vonnöten, was die herkömmliche Technik nicht hergibt: Das von der Firma Giesecke & Devrient entwickelte selbstklebende EU-Visalabel besitzt einen Transponder mit 4KB Speicher. Das reicht für Fingerabdrucke auf Visa, wie sie in Lagos zum Einsatz kommen, aber nicht für komplette Bilder. Doch nicht nur Transponder, auch SmartCards spielen in der Ausweis-Biometrie eine wichtige Rolle. Als Beispiel sei der auf SmartCard-Technik basierende Universal-Ausweis genannt, den Giesecke & Devrient für Macao entwickelte: Die SmartCard enthält die biometrischen Bürgerdaten, dazu den Führerschein und eine Bezahlfunktion ähnlich unserer Geldkarte. Im CCC-Camp führte Andreas Jellinghaus vor, wie solche SmartCards im Detail arbeiten.

Den letzten Vortrag zu diesem Thema hielt zu fortgeschrittener Stunde John Gilmore, einer der Veteranen der Electronic Frontier Foundation. Entspannt saß Gilmore in Yoga-Position auf dem Tisch und berichtete von kafkaesken Erlebnissen auf seinen Flügen in den USA, häufig unterbrochen vom dröhnenden Beifall und Gejohle der Hacker-Jeopardy im Nachbarzelt. Wann immer er nach einer Identifikation gefragt wurde, verweigerte Gilmore selbige und fragte zurück, warum er sie in einem freien Land geben müsse. "It's the rule", das sind die Regeln, bekam er wieder und wieder zu hören, ohne dass jemand ein konkretes Regelwerk nennen konnte. Das fortgesetzte Fragen reichte aus, US-Justizminister John Ashcroft zum Suspected Terrorist zu befördern.

Zum Sommercamp siehe auch einen früheren Artikel: