CCC feuert gegen OpenLeaks

Mit einer Medienoffensive greift der Chaos Computer Club die vor kurzem an den Start gegangene OpenLeaks-Plattform an.

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Update
Von
  • Detlef Borchers

Der Chaos Computer Club hat eine Medienoffensive gestartet, die OpenLeaks als Whistleblower-Plattform diskreditieren soll. Hintergrund der Auseinandersetzung bildet eine Wikileaks gehörende verschlüsselte Sicherungskopie, die OpenLeaks-Kopf Daniel Domscheit-Berg vor 13 Monaten gezogen hatte. Damals reparierte er den im Ruhrgebiet stehenden Wikileaks-Server.

Hacker distanzieren sich von OpenLeaks, heißt es bei Spiegel Online, Chaos Computer Club misstraut OpenLeaks, meldet Zeit Online. Offiziell sind die Veranstalter des Chaos Communication Camps 2011 darüber erzürnt, dass OpenLeaks (das mit 2 Tagen Verspätung online ging) von Hackern im Camp getestet wird. Dazu hatte Domscheit-Berg in seinem Vortrag zu Beginn des Kongresses alle Teilnehmer aufgerufen. Dies verärgerte den Club, der annahm, OpenLeaks bewerbe sich mit dem Aufforderung "testet uns" um eine Art "CCC-Gütesiegel".

[Update: Wie am heutigen Sonntag bekannt wurde, hat der CCC Daniel Domscheid-Berg mittlerweile per einstimmig gefasstem Vorstandbeschluss aus seinen Reihen ausgeschlossen. Andy Müller-Maguhn vom CCC sagte der Nachrichtenagentur dpa, Domscheid-Bergs Auftritt auf dem Camp sei der Tropfen gewesen, "der das Fass zum Überlaufen gebracht hat". Der Ausschluss ist nach Angaben Müller-Maguhns erst der zweite in der 30-jährigen Geschichte desVereins.]

Die Gründe für die Gereiztheit liegen im Verborgenen. Andy Müller-Maguhn versucht, zwischen OpenLeaks und Julian Assange/Wikileaks zu vermitteln. Nachdem Assange seinen Mitstreiter Daniel Domscheit-Berg exkommuniziert hatte, ging der zentrale Wikileaks-Server am 25. August in den Wartungsmodus. Da der Server bei einem Hoster im Ruhrgebiet betrieben wurde, sollte der in Deutschland weilende Domscheit-Berg die Wartungsarbeiten übernehmen. Er unternimmt mehrere Anläufe, fährt schließlich los, repariert das System und zieht dabei vorab eine Sicherheitskopie, die verschlüsselt abgespeichert wird. Den Schlüssel zu diesen Dateien besitzt nur Assange.

Müller-Maguhn versucht seit einiger Zeit, die asynchronen Besitzverhältnisse auszugleichen. Der CCC fühlt sich der Idee von Wikileaks verpflichtet; die ihm nahestehende Wau-Holland-Stiftung ist derzeit eine der wenigen Möglichkeiten, Spenden an Wikileaks zu überweisen. Daniel Domscheit-Berg hat in der Vergangenheit mehrfach erklärt, die Dateien nur dann zu übergeben, wenn Wikileaks nachweisen kann, dass die Organisation eine sichere Submission-Plattform hat. Vor diesem Hintergrund wirkte die Aufforderung an die Hackcamper, die Sicherheit von OpenLeaks zu testen, offenbar als Provokation.

Inmitten aller Streitereien sollte nicht vergessen werden, dass derzeit keine Leaks-Plattform aktiv ist. Der Test von OpenLeaks, der in Deutschland von den Medienpartnern tageszeitung und Freitag betrieben wird, endet am heutigen Sonntag. (ck)