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CERN unterstützt Open Access

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Das CERN in Genf, weltweit eine der führenden Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Elementarteilchenphysik und Anfang der neunziger Jahre Geburtsstätte des World Wide Web, hat sich jetzt offiziell der "Berliner Erklärung" angeschlossen. Diese hatten die Spitzen der deutschen Forschungsorganisationen unter Führung der Max-Planck-Gesellschaft im Oktober vergangenen Jahres verabschiedet: Sie forderten damit die verstärkte Nutzung des Internet im wissenschaftlichen Publikationswesen und bekannten sich zum Prinzip des freien und ungehinderten Zugangs zu den Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung und zum kulturellen Erbe der Menschheit für jedermann.

CERN-Generaldirektor Robert Aymar verwies in diesem Zusammenhang auf die Charter des Genfer Forschungszentrums, die explizit verlangt, dass "die Ergebnisse seiner experimentellen und theoretische Arbeiten veröffentlicht oder auf andere Weise allgemein zugänglich gemacht werden".

Die "Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities" ist bisher von 38 europäischen Wissenschaftseinrichtungen unterzeichnet worden. Unterdessen haben in den USA 48 wissenschaftliche Fachgesellschaften, die als Herausgeber eigener Zeitschriften zunehmend in die Zange zwischen kommerziellen Wissenschaftsverlagen und der "Open Access"-Bewegung geraten, ebenfalls eine Erklärung verabschiedet. Den "Washington DC Principles for Free Access to Science" zufolge solle der Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen "je nach den Veröffentlichungsanforderungen und Geschäftsinteressen der Verleger" so frei wie möglich sein. Das "Open Access"-Modell, bei dem die Forscher beziehungsweise die Forschungseinrichtungen die Kosten der Internet-Publikation selbst tragen und in der Regel aus Projektfördermitteln finanzieren, lehnen die unterzeichnenden US-Fachgesellschaften ab.

Diese Position ist auch in den USA nicht unumstritten. So stellt sich die Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition (SPARC), eine Allianz der wissenschaftlichen Fachbibliotheken, eindeutig auf die Seite von "Open Access". Ihr Geschäftsführer Richard Johnson sieht in der Washingtoner Erklärung "eine engagierte Verteidigung des Status Quo". (Richard Sietmann) / (jk)