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CERN wechselt von Microsoft- zu Open-Source-Software

Das europäische Kernforschungszentrum CERN möchte Lizenzkosten für proprietäre Programme sparen. Dazu dient das "Microsoft Alternatives project", kurz MAlt.

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(Bild: Europäische Organisation für Kernforschung CERN)

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Das MAlt-Projekt untersucht die Migration von Microsoft und anderer kommerzieller Software auf Open-Source-Lösungen. Auf diese Weise möchte das CERN nicht nur massiv Lizenzkosten sparen, sondern zudem auch wieder die Kontrolle über die eingesetzte Software übernehmen.

Das MAlt-Projekt läuft bereits seit einem Jahr. Jetzt stellte es das CERN in einem Blog-Beitrag vor. Demnach ist das Projekt auf mehrere Jahre ausgelegt. Als erste Maßnahme wird die IT-Abteilung im Sommer als Pilotprojekt einen Mail-Service für IT-Mitarbeiter und andere interessierte Nutzer einrichten. Anschließend erfolgt dann die CERN-weite Migration. Parallel dazu soll ein Softphone (VoIP-Software) einige Skype-für-Business-Clients und analoge Telefone ersetzen. Das Projekt-Team arbeitet an der Migration von weiteren Produkten und Diensten. Konkrete Produktnamen hierzu nennt das CERN allerdings noch nicht.

Den Ausschlag für das MAlt-Projekt gaben laut Blog-Beitrag vor allem steigende Lizenzkosten. Als Forschungseinrichtung habe man in der Vergangenheit bei den Software-Anbietern häufig günstige Konditionen erhalten. Als die Software weit verbreitet im Einsatz war, musste man jedoch auf teure Lizenzen wechseln, die pro Nutzer abgerechnet würden. Aufgrund der vielen beteiligten Personen entstünden so sehr hohe Kosten.

Ein Paradebeispiel seien Microsoft-Produkte, die am CERN seit 20 Jahren unter einer günstigen akademischen Lizenz genutzt werden konnten. Microsoft habe dem CERN jedoch vor Kurzem den Status einer akademischen Einrichtung aberkannt. Sei März 2019 müsse die Organisation daher für jeden Benutzer Lizenzgebühren zahlen, wodurch sich die Kosten um den Faktor 10 erhöhen würden. Zwar habe man mit Microsoft einen langsamen Anstieg der Kosten vereinbaren können, die hohen Gebühren seien aber für die Forschungseinrichtung langfristig nicht tragbar.

Bei der Suche nach Open-Source-Alternativen achtet das MAlt-Projekt daher unter anderem darauf, dass kein Lock-in-Effekt mehr entsteht, bei dem sich das CERN von einem Anbieter abhängig macht. Darüber hinaus will das CERN die Kontrolle über die Daten behalten, was wiederum den Einsatz von offenen Datenformaten nahelegt.

Den Fortschritt der Migration und viele Details zum Projekt fasst eine eigene Internetseite zusammen; für den Zugang zu dieser Seite ist ein CERN-Account notwendig. Dort können sich auch Interessenten melden, die bei der Migration helfen möchten. Den weiteren Verlauf der Migration dokumentiert regelmäßig ein CERN-Blog. (dwi)