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CERN will mit Peer Review das Open-Access-Modell beflügeln [Update]

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Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Teilchenphysik und internationale Bibliotheken wollen die Qualität von Fachartikeln, die gemäß dem Open-Access-Prinzip kostenlos übers Internet veröffentlicht werden, verbessern. Sie haben daher ein Konsortium ins Leben gerufen, um die Umstellung der wichtigsten Fachzeitschriften der Teilchenphysik auf das Open-Access-Prinzip über einen gemeinsamen Fond zu ermöglichen. Die Finanzierung soll im Wesentlichen über eine Umschichtung der bisherigen Abonnementgebühren von Bibliotheken und Konsortien erfolgen. Seinen Sitz hat das Sponsoring Consortium for Open Access Publishing in Particle Physics (SCOAP[super3[/super]]) am Genfer CERN, einem der weltweit führenden Institute im Bereich der Nuklearforschung und Geburtsstätte des World Wide Web. Kernidee der Vereinigung ist es, die Veröffentlichung der Beiträge als solche quasi durch die Erhebung von Publikationsgebühren sowie das wissenschaftsübliche Peer-Review-Verfahren zu sichern.

Während die Open-Access-Literatur ständig anwächst, fühlt sich für die Qualitätssicherung in diesem Gebiet bislang keiner so recht zuständig. Anders als im traditionellen wissenschaftlichen Publikationswesen wachen nicht mehr die Fachverlage über die Prüfung der Plausibilität der publizierten Forschungsergebnisse. Erste Experimente mit Open Peer Review stießen auf wenig Interesse bei Autoren und Kommentatoren. Das neue Konsortium, dem neben Universitäten und Physik-Instituten von Australien bis in die USA hierzulande die Helmholtz-Gemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft und die Technische Informationsbibliothek (TIB) in Hannover angehören, sucht nun eine Verbindung aus klassischem Publikationswesen und Open-Access-Verfahren.

Theoretisch können sich der Vereinigung Partner aus anderen Ländern anschließen, die Literatur zur Teilchenphysik veröffentlichen und Mittel für den Fond mitbringen. "Jedes Land soll selbst für die Finanzierung des Peer Review entsprechend seiner wissenschaftlichen Publikationsmenge aufkommen", erläuterte Jens Vigen, Leiter des Wissenschaftlichen Informationsdienstes am CERN, das Prinzip gegenüber dem Fachdienst Intellectual Property Watch. Langfristiges Ziel sei es, alle relevanten Forschungseinrichtungen in das System einzubeziehen. Die Umstellung auf das neue Modell werde erleichtert durch die Tatsache, dass schon heute nur sechs klassische Magazine die Mehrheit der entscheidenden Beiträge in dem Wissenschaftsbereich veröffentlichen.

Zehn Prozent des Etats für SCOAP3 sollen für Forscher von Ländern reserviert werden, die sich aus finanziellen Gründen dem Konsortium derzeit nicht anschließen können. Veröffentlicht werden sollen die Artikel in einer INSPIRE genannten Datenbank, in welche der bestehende Dokumentenserver des CERN und das einschlägige SPIRES-Verzeichnis von Open-Access-Artikeln aus der Vordruckstufe integriert werden sollen.

Das CERN selbst unterstützt die Bewegung für alternative kostenlose Publikationsformen im Netz offiziell seit 2004 mit der Unterzeichnung der "Berliner Erklärung" zu Open Access. Nach eigenen Angaben richtete die Forschungsorganisation aber bereits in den späten 1950ern ein Archiv für wissenschaftliche Artikel im Stadium vor dem Peer-Review-Prozess ein. Die Physikergemeinde gehört zusammen mit dem Mathematikern zu den Vorreitern elektronischer Netzpublikationen unter Umgehung der traditionellen Verlage. So startete sie 1991 etwa den Server arXiv.org in den USA, der Modell stand für viele vergleichbare Online-Archive. (Stefan Krempl) / (pmz)