CES 2016: Ein Helikopterflug mit Uber

Uber ist alles andere als ein sympathisches Unternehmen: Rücksichtslos, ausbeuterisch – und das Ganze noch garniert mit Macho-Attitüde. Passend, dass man jetzt auch Helikopterflüge per App buchen kann. Wir habens ausprobiert.

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Zur CES in Las Vegas bietet Uber eine "Chopper"-Option, hinter der sich ein Hubschrauber-Rundflug verbirgt.

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Uber ist eine Fieslings-Firma. Das mag im ersten Moment etwas harsch klingen, aber nach fünf Tagen täglicher Uber-Nutzung merkt man zwangsläufig, dass die Grundwerte der Firma ganz schön ekelig sind.

Aber der Reihe nach: Seit ein paar Wochen darf Uber in Las Vegas fahren, für das CES-Team von heise online war das eine willkommene Möglichkeit, nicht nur dem jährlichen Verkehrschaos zu entkommen – sondern auch mal selbst auszuprobieren, wie sich die umstrittene Dienstleistung in der Praxis anfühlt. Dabei sind wir nicht nur Auto gefahren, sondern auch Hubschrauber geflogen, dazu später mehr.

Uber funktioniert zugegebenermaßen spitzenmäßig. Irgendwo hinstellen, App starten, Button drücken, und spätestens fünf Minuten später sitzt man im Auto. Anders als bei konventionellen Taxis muss man nicht mit Bargeld, Kreditkarten und Quittungen herumhantieren, sondern steigt am Ende der Fahrt einfach aus – und sieht dann auf dem Smartphone-Display den Fahrpreis. Abgerechnet wird über die in der App hinterlegte Kreditkarte.

Der Fahrpreis ist bei "UberX" nur ungefähr halb so hoch wie bei normalen Taxis; man fährt in Privatautos in unterschiedlichem Zustand. Zusätzlich gibt es auch noch teurere Varianten wie "Uber Select" oder "Uber Black", die genauso funktionieren wie UberX, nur dass man hier edlere Autos bucht. Gerade für Dienstreisen ist Uber praktisch, denn man bekommt die Rechnungen als E-Mail, sodass man für die Fahrtkostenabrechnung keine Quittungen aufbewahren muss – die bekanntlich gerne mal verlorengehen. Und: Uber holt die Kundschaft an beliebigen Orten ab, während konventionelle Taxis in Las Vegas nur an Taxiständen halten dürfen.

Nutzt man Uber allerdings häufiger und spricht ein wenig mit den Fahrern, bröckelt die schicke Fassade schnell. Etliche Fahrer haben uns von sich aus erzählt, dass Uber wahnsinnig schlecht zahlt. Die Rede war zum Teil von über 40 Prozent Provision, die das Unternehmen pro Fahrt für sich behält – während der Fahrer die gesamten Kosten für Auto, Verschleiß, Versicherung und Sprit zu zahlen hat. Offiziell spricht Uber von 20 Prozent Provision, hat aber kürzlich zugegeben, dass man Gelegenheits-Fahrern auch schon mal 30 Prozent abknöpft.

Nun könnte man denken, dass ja zumindest noch Trinkgeld dazukommt. Uber weiß das jedoch zu verhindern, denn die Firma teilt den Fahrkunden auf ihrer Website unmissverständlich mit: "Kein Trinkgeld notwendig." Die offizielle Argumentation: Man will nicht, dass die Kundschaft mit Bargeld herumfummeln muss, weil damit einer der größten Vorteile der Dienstleistung verloren geht. Das ist zwar nachvollziehbar, ließe sich aber ganz einfach regeln: Der Konkurrent Lyft zum Beispiel fragt die Kunden nach der Fahrt per App, ob sie Trinkgeld geben wollen. Wenn ja, wird die gewünschte Summe einfach auf den Fahrpreis aufgeschlagen. Viele Uber-Fahrer haben uns deshalb gebeten, in Zukunft doch bitte das fairere Lyft zu nutzen. Am liebsten würden sie auf Uber ganz verzichten, aber über Lyft kämen bislang noch zu wenige Fahrten rein.

Natürlich lästern viele Arbeitnehmer über ihr Unternehmen – im Freundeskreis oder unter Kollegen. Dass Fahrer den Kunden aber direkt ins Gesicht sagen, dass man Uber eigentlich nicht unterstützen sollte, spricht eine deutliche Sprache.

Eine weitere unangenehme Uber-Spezialität ist das sogenannte "Surge-Pricing". Bei hoher Nachfrage kann der Fahrpreis um bis zu Faktor 50 steigen. Das mag nach rein marktwirtschaftlichen Kriterien sinnvoll sein – hinterlässt aber bei Katastrophen wie Terrorangriffen einen unschönen Nachgeschmack. Uber betont natürlich, dass man sich keineswegs an Menschen in Not bereichern will, sondern einfach nur den Gesetzen von Angebot und Nachfrage folgt.

Uber sorgt auch immer wieder für Skandale. Ganz aktuell musste die Firma 20.000 Dollar Strafe zahlen, weil sie Kunden und Fahrer ausspionierte. Der Uber-Gründer ist obendrein schon mehrfach mit frauenfeindlichen Sprüchen aufgefallen.

Zur "Ich nehme mir, was ich will"-Mentalität, passt auch das allerneuste Angebot "UberChopper". Damit lässt sich per Uber-App ein Hubschrauber bestellen. In Las Vegas wollte man solventen Kunden damit die Möglichkeit geben, den allgegenwärtigen Stau zu umgehen. Doof nur, dass die Stadt vor einigen Jahren Helikopter-Landeplätze verboten hat. Uber wäre nicht Uber, wenn man den Service nicht trotzdem anbieten würde.

Die Uber-App wirbt seit dem ersten CES-Tag beim Start mit "Soar around The Strip for $99" ("Schweb' über den Strip für 99$") – letzendlich handelt es sich aber nicht um Flüge von A nach B, sondern nur um einen Rundflug. Wir haben es ausprobiert (siehe Video oben): Nachdem wir in "UberChopper" auf den Abholen-Button gedrückt hatten, wurde wir mit einem Auto abgeholt und zu einem Helikopter-Terminal am Flughafen in Las Vegas gefahren.

Hier mussten wir eine Dreiviertelstunde warten und flogen dann 15 Minuten über den Strip. Keine Frage, der Flug war spaßig, man hätte ihn aber auch einfach direkt beim Hubschrauber-Dienstleister Maverick buchen können. Am Ende gab es dann noch eine Überraschung: Wir sind zwar zu dritt im Helikopter geflogen, doch die App hat die Gebühr von 99 US-Dollar für den Rundflug nur einmal abgerechnet und nicht pro Person, also insgesamt dreimal kassiert. (jkj)