Menü

CES 2016: "Wir verdienen nichts an der Oculus Rift" – Erfinder der Virtual-Reality-Brille im Interview

Oculus-VR-Gründer Palmer Luckey ist bei vielen VR-Fans zurzeit unbeliebt: Ihrer Meinung nach ist die Rift-Brille mit 700 Euro zu teuer. Wir sprachen mit Luckey auf der CES über den Rift-Verkaufspreis und über den Rechtsstreit mit der Oculus GmbH.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 512 Beiträge
Oculus Rift

Palmer Luckey ist gerade nicht der beliebteste Mensch im Internet: Virtual-Reality-Fans warten seit Jahren sehnsüchtig auf die von Luckey mitentwickelte Oculus Rift – und sind jetzt sauer über den ihrer Meinung zu hohen Verkaufspreis von 699 Euro (plus 42 Euro Versandkosten). Als wir Palmer Luckey genau fünf Stunden nach der Preisankündigung und dem Vorbestellungs-Start auf der CES trafen, wirkte er ganz und gar nicht geknickt; ganz im Gegenteil.

heise online: Wie fühlt sich das an, nach so langer Zeit endlich ein fertiges Produkt zu haben?

Palmer Luckey: Das fühlt sich großartig an, auch wenn wir natürlich erst wirklich fertig sind, wenn wir ausliefern.

Virtual-Reality-Brille Oculus Rift (10 Bilder)

Die Virtual-Reality-Brille Oculus Rift von hinten ...
(Bild: Oculus)

heise online: Aber das ist ja schon bald, im März soll es losgehen, oder?

Luckey: Ja, am 28. März. Wir haben erst gedacht, wir sagen einfach "März", aber wir sind uns so sicher, dass wir ein konkretes Datum nennen können.

heise online: Weißt du schon, wie viele Vorbestellungen ihr seit heute morgen um 8 Uhr bekommen habt?

Luckey: Ja, weiß ich, aber ich kann dir die Zahl nicht sagen. Ich bin auf alle Fälle sehr glücklich, es ist mehr als wir gedacht hatten.

heise online: Habt ihr vorausgeahnt, dass die Leute so kritisch auf den Preis reagieren?

Hat trotz Kritik gute Laune: Palmer Luckey im Gespräch mit heise online.

Luckey (überlegt lange): Natürlich haben wir das zum Teil vorausgesehen. Wir haben auch im Vorfeld versucht, den Preis anzudeuten. Vor allem: Für die meisten Leute ist die größte Investition ja gar nicht das Headset selbst, sondern der PC. Deshalb haben wir ja schon vor längerem gesagt, dass Rift und PC zusammen 1.500 US-Dollar kosten. Und das stimmt ja auch.

Ja, das Headset ist teuer. Aber realistisch gesehen kostet das Headset einfach so viel. Wir nutzen zwei OLED-Displays mit einer sehr hohen Pixeldichte, die speziell für Virtual Reality designt wurden. Wir nutzen sehr hochwertige Linsen – die sind hochwertiger als die Linsen, die in Spiegelreflexkamera-Objektiven stecken. Dazu kommt noch ein hochwertiges Audiosystem und sehr viele, sehr exotische mechanische Bauteile.

Am Ende haben wir einfach Prioritäten gesetzt: Wir haben uns für Qualität entschieden. Wir hätten ein Produkt machen können, das ein bisschen weniger kosten würde, aber die Leute hätten insgesamt trotzdem fast genauso viel ausgeben müssen, weil sie ja auch den passenden PC brauchen.

Oculus Touch (5 Bilder)

Oculus Touch Controller kommen als Paar, einer für jede Hand.

Ich habe das ja schon häufiger gesagt und geschrieben: Wir verdienen nichts an der Rift-Hardware. Das ist schon immer unser Plan gewesen. Trotzdem sagen einige Leute: Das Teil ist so teuer, die müssen uns angelogen haben! Nein, wir haben nicht gelogen – das kostet einfach so viel! Ich kann versprechen, dass man für 599 Dollar bei uns mehr Technik bekommt als bei den allermeisten Produkten, die 599 Dollar kosten. Bei einem Smartphone für 599 Dollar, kosten die Bauteile vielleicht 250 Dollar. Bei einem Fernseher genauso. Wir haben viele Sachen versucht, um die Kosten zu drücken. Aber mehr ging einfach nicht.

heise online: Ihr habt ja auch ziemlich viele Angestellte zu bezahlen.

Palmer Luckey: "Wir verdienen nichts an der Rift-Hardware".

(Bild: heise online)

Luckey: Die Personalkosten sind gar nicht eingerechnet, ich spreche wirklich nur von den reinen Hardware-Kosten. Facebook hat Oculus gekauft und deshalb können wir uns auf die langfristige Einführung von VR konzentrieren. Als unabhängige Firma könnten wir das nicht, da müssten wir auf den Profit achten, um die Angestellten zu bezahlen.

heise online: Viele unserer Leser kritisieren den im Vergleich zum Dollarpreis hohen Europreis.

Luckey: Wir haben uns echt Mühe geben, die internationalen Preise fair zu gestalten. Die Leute fragen sich: Warum kostet das 699 Euro, wenn es doch eigentlich nur 599 Dollar kostet – warum nicht, sagen wir, 510 Euro? Aber wir müssen die Steuern einberechnen, das ist das Ding. Vielen Leuten ist nicht klar, dass der Preis in den USA immer ohne Steuern angegeben wird. Jeder Bundesstaat schlägt einen individuellen Steuersatz auf. Wenn man nicht oft international einkauft, könnte man denken, dass wir einfach einen Haufen Geld draufschlagen. Aber in Wahrheit bekommt man in einigen Ländern sogar umgerechnet einen besseren Preis als in den USA.

heise online: Es werden allerdings auch sehr oft die hohen Versandkosten von 42 Euro kritisiert.

Luckey: Darüber kann ich nicht im Detail sprechen. Wir liefern in alle europäischen Länder von Europa aus, damit nicht auch noch Zollkosten dazukommen. Was ich sagen kann: Das, was wir verschicken und wie wir das verschicken, kostet so viel.

heise online: Die Firma Oculus Optikgeräte GmbH hat ja im August 2014 eine einstweilige Verfügung erwirkt, laut der ihr unter dem Namen Oculus keine Headsets in Deutschland verkaufen dürft. Ist das inzwischen geregelt?

Luckey: Dazu kann ich keinen Kommentar abgeben, aber: Wir verkaufen in Deutschland!

heise online: Hättest du eigentlich vor zwei Jahren gedacht, dass du und deine Firma im Zentrum einer milliardenschweren Branche stehen würdest?

Luckey: Ich hatte schon gedacht, dass wir im Zentrum stehen, aber nicht, dass die Branche milliardenschwer wird. Ganz ehrlich, ich habe gedacht, dass wir da allein unser VR-Ding machen und um uns herum nur ein paar Entwickler sind. Ich wusste zwar, dass das etwas ist, was Leute wollen könnten. Aber als wir unseren Kickstarter gestartet hatten, dachte ich niemals, dass wir Zehntausende und sogar Hundertausende von Headsets verkaufen. Ich dachte, dass da nicht genug Leute sind, die daran interessiert sind, VR-Spiele zu entwickeln oder VR-Headsets zu kaufen. Am Ende lagen wir falsch.

Das Überraschende ist für mich, wie schnell die Leute entschieden haben, dass VR eine echte Sache ist. Das war bei 3DTV ja überhaupt nicht so. Das wurde hier vor ein paar Jahren groß auf der CES angepriesen, aber da war niemand, der sich angestellt hat, um das auszuprobieren. An unserem Stand stehen die Leute für drei, vier Stunden an – und manche machen das sogar mehrfach hintereinander.

Lesen Sie dazu auch den Test der Oculus Rift DK 2 bei c't:

(jkj)