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CES: Autonomes Auto F015 - Mercedes will das Auto neu erfinden

Mercedes-Benz will ganz neue Wege befahren: nicht nur mit automobilen, sondern mit autonomen Fahrzeugen. Auf der CES stellt das Unternehmen ein Forschungsfahrzeug vor, das über alles bisher Gezeigte hinausgeht.

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Autonom fahrende Autos sind ein großes Thema auf der CES. Weil aber jeder etwas dazu zu sagen hat – wenn auch nur als Fußnote wie etwa Toyota ­­–, wird es auch schon ein bisschen langweilig. So durfte man gespannt sein, wie Daimler- und Mercedes-Benz-Cars-Chef Dieter Zetsche damit eine der großen Keynotes füllen würde. Und tatsächlich begann er mit Altbekanntem wie dem Mercedes S 500 Intelligent Drive und dem Future Truck. Doch dann folgte eine Weltpremiere: Auf die Bühne rollte das Forschungsfahrzeug F 015 Luxury in Motion. Ihm entstieg ein sichtlich beeindruckter Gary Shapiro. Der Chef des CES-Veranstalters CEA bemerkte, Mercedes sei der erste Hersteller, der für die Messe ein spezielles Auto gebaut hat.

Die Stars des Abends: Der F 015 Luxury in Motion und rechts daneben Dieter Zetsche.

Doch laut Mercedes ist der F 015 kein Messe-Gag, sondern der Vorbote einer Mobilitätsrevolution. Er erhielt ein futuristisches Design, das durchaus funktionell ist. Durch den langen Radstand (3,61 m bei 5,22 m Gesamtlänge) fällt der Innenraum groß aus; durch die von der Mitte weg öffnenden Türen ("Saloon Doors") erreicht man bequem einen der vier drehbaren Sessel. Auch wenn der Fahrer ihm den Rücken zudrehen kann, wollte Mercedes nicht auf das Lenkrad verzichten. Zetsche stellte dazu klar, dass der Fahrer eines Mercedes auf Wunsch immer die letzte Entscheidungsgewalt haben wird. Gleichzeitig sei aber auch die Möglichkeit wichtig, sich den anderen Passagieren zuwenden zu können, wie einst in der Pferdedroschke.

In jeder Tür und unter dem Armaturenbrett sind große Displays eingelassen. Knöpfe oder Schalter gibt es nicht. Gesteuert wird der F 015 durch Gesten und Augenbewegung sowie durch Berühren der Displays. Jeder Passagier hat ein Display und kann darüber beispielsweise ein Fahrziel vorgeben oder ein Spiel spielen. Die Karosserie soll den Insassen trotz extremem Leichtbau mit CFK, Aluminium und hochfesten Stählen sowie der fehlenden B-Säule guten Schutz bei Unfällen bieten. Dazu tragen die crash-aktiven Bordkanten unterhalb der Seitenfenster bei, die sich bei einem Seitenaufprall ähnlich wie ein Airbag aufblähen, um Energie zu absorbieren.

Forschungsfahrzeug für autonomes Fahren Mercedes F 015 (7 Bilder)

Kommunikation mit Fußgängern

Ein mittlaufender blauer Lichtbalken an der Front signalisiert, dass das autonom fahrende Auto den Fußgänger erkannt hat. Der darf jetzt sicher sein, nicht überfahren zu werden.
(Bild: Mercedes-Benz)

Außen fallen vor allem die großen Leuchtflächen vorne und hinten auf. Die Farbe des vorderen Lichts zeigt den Fahrmodus an: Weißes Licht leuchtet dem Menschen am Steuer, blaues Licht signalisiert den autonomen Betrieb und warnt Passanten. Erkennt das Fahrzeug einen Fußgänger, zeigt es dies durch einen Lichtbalken an. Bleibt es am Kühler dunkel, sollte man also schnell zur Seite springen. Die Balken wiederholen sich an den roten LEDs hinten, die den nachfolgenden Verkehr zur Vorsicht mahnen. Außerdem kann das Forschungsfahrzeug einem am Straßenrand stehenden Passanten per Laser einen stilisierten Zebrastreifen auf die Fahrbahn malen.

Angetrieben wird der F 015 durch einen F-Cell Plug-in Hybrid. Er kombiniert Brennstoffzellen-Technik zur Stromerzeugung an Bord mit einer Hochvoltbatterie. Diesen Antrieb hatte Mercedes bereits in einem früheren Forschungsfahrzeug, dem F 125! eingesetzt. Zur Wasserstoffspeicherung sind Drucktanks aus CFK vorgesehen. An jedem Hinterrad sitzt ein Elektromotor mit 136 PS und 200 Nm. Die Dauerleistung liegt, beschränkt durch die Brennstoffzelle, bei 163 PS; solange die 29-kWh-Batterie nicht leer ist, lassen sich 272 PS abrufen. Damit soll der Wagen in 6,7 s von 0 auf 100 beschleunigen und 200 km/h erreichen. Die Reichweite gibt Mercedes bei NEFZ-Verbrauch (0,6 kg/100 km) mit 1100 km an. (ad)