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CES: WebOS, Android, Tizen, FirefoxOS - das Zeitalter der Fernseher-Betriebssysteme hat begonnen

Alle TV-Herstellern rücken auf der CES die von den Fernsehern verwendeten Betriebssystem in den Vordergrund. Das ist eine komplett neue Entwicklung: Bislang spielte das Betriebssystem im Marketing keine Rolle.

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CES: Das Zeitalter der Fernseher-Betriebssysteme hat begonnen

Den neuen Fernseher anhand seiner Funktionen oder dem Design aussuchen? Kalter Kaffee: Künftig steht bei der Kaufentscheidung das TV-Betriebssystem im Vordergrund – zumindest deutet das die diesjährige CES an. Auf den Ständen aller großen Hersteller wird das verwendete Betriebssystem in großen Lettern angepriesen. Das ist eine neue Entwicklung – mit Ausnahme der gescheiterten Google-TV-Geräte von Sony und LG vor ein paar Jahren wurde das verwendete OS bislang gar nicht thematisiert; nicht einmal in den Datenblättern fand man Informationen zum Software-Untersatz der TVs.

Die Fernseher-Betriebssysteme auf der CES (6 Bilder)

Mit LGs revolutionären WebOS-Fernsehern begann die Betriebssystem-Welle. Mit WebOS 2.0 will LG den größten Kritikpunkt ausräumen: Die etwas lahme Reaktionsgeschwindigkeit.
(Bild: J.-K. Janssen / heise online)

Vorreiter der Entwicklung ist ganz offenbar LG mit seinen WebOS-Fernsehern aus dem letzten Jahr. In Sachen Softwaredesign und Bedienkomfort waren die Geräte der Konkurrenz um Lichtjahre voraus. In einem TV-Vergleichstest heißt es c't-Ausgabe 26/14: "Die WebOS-Oberfläche [...] ist die am besten gestaltete, die wir jemals auf einem Fernseher gesehen haben. Statt kitschiger Farbverläufe gibt es moderne Typographie, charmante Details (die animierte Ersteinrichtung, die elastischen Icons) und ein intuitives Bedienkonzept." Aber es war auch nur eine Frage der Zeit, bis sich endlich etwas tut bei der "User Experience": Jahrelang änderten die Hersteller nur Marginalien, anstatt das große Problem zu lösen: Die Bedienung von Smart-TVs nervte bislang herstellerübergreifend und wirkte gerade im Vergleich zu Smartphones und Tablets vollkommen aus der Zeit gefallen. Deshalb ist es eigentlich nur logisch, dass sich Hersteller die Entwicklungsarbeit sparen und auf etablierte Mobil-Betriebssysteme bauen.

Dass LGs Vorstoß die Branche aufgerüttelt hat, wurde vor allem bei Samsung deutlich: Die Bedienoberfläche der neuen Tizen-Fernseher erinnerte frappierend an die WebOS-Geräte der Konkurrenz. Und wenn der Marktführer aus Korea den kleineren Erzfeind kopiert – dann muss schon was dran sein an WebOS. Langfristig will Samsung ihr Tizen-Betriebssystem künftig aufs gesamte Techniksortiment bringen. Bislang haben sich aber neben den angekündigten Fernsehern erst Smartwatches (Gear-Serie) mit Tizen materialisiert. Ein Smartphone mit dem Betriebssystem ist noch nicht in Sicht.

Android, das mit Abstand erfolgreichste Mobilgerät-Betriebssystem, erobert die Fernseher gleich im großen Stil: Neben Sony haben auch TP Vision (Philips) und Sharp Geräte mit Android TV angekündigt. Im Vergleich zum gefloppten Google TV bietet Android TV wesentlich mehr Funktionen, zum Beispiel auch eine integrierte Chromecast-Funktion, um Inhalte von Android-Mobilgeräten schnell und einfach auf den großen Schirm zu holen.

LG als amtierender Design-Spitzenreiter hat mit WebOS 2.0 den größten Kritikpunkt des Vorgängers ausgeräumt: Die etwas lahme Reaktionsgeschwindigkeit. Zumindest die Prototypen auf der CES sind sehr schnell unterwegs.

Panasonic – die bislang häufig mit sehr guter TV-Hardware und dafür umso biederer Software aufgefallen sind – setzt ebenfalls auf ein Mobil-Betriebssystem: Die Wahl fiel auf den sympathischen Open-Source-Underdog Firefox OS.

Wir sind gespannt, wie sich die neuen TV-Geräte mit den Mobil-Betriebssystemen in der Praxis schlagen – denn natürlich garantiert ein etabliertes Mobil-Betriebssystem noch keine fluffige Bedienung. (jkj)

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