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CFP: Heftige Kritik an Googles Gmail

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Googles umstrittener Vorstoß, E-Mails auf Stichworte hin zu durchsuchen und darauf aufbauend den Nutzern individualisierte Werbung zu servieren, hat eine heftige Diskussion über den Schutz der Privatsphäre bei E-Mail allgemein losgetreten. Auf der Konferenz Computers, Freedom & Privacy (CFP) in Berkeley führten die umstrittenen Datenschutzbestimmungen des Webunternehmens zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen Netzaktivisten, Anwälten, Politikberatern und Google-Vertretern.

Die Justiziarin bei dem kalifornischen Suchmaschinenspezialisten Nicole Wong wollte sich zunächst mit der Bemerkung aus der Affäre ziehen, dass der Nutzer ja die Wahl habe: "Keiner wird gezwungen, Gmail zu verwenden". Dieses Argument wollte Chris Hoofnagle vom Electronic Privacy Information Center (EPIC) nicht gelten lassen: "Gmail wird den kleinsten gemeinsamen Nenner beim Datenschutz aller Webmailer absenken", prognostizierte er. Dass eine Mitteilungspflicht über die Verwertung der persönlichen Daten für Marketingzwecke von vielen bereits als ausreichend für den Schutz der Privatsphäre angesehen werde, sei bedauerlich. Dem normalen Nutzer bringe das wenig. Man brauche heute schon einen Doktor in Datenschutzrecht, um die Richtlinien der Unternehmen zu verstehen und darauf basierend eine rationale Wahl zu treffen.

Neu ist das noch in der Testphase befindliche textbasierte Filtern Googles nicht. So berichtete Sunil Paul von Brightmail, einem großen Anbieter von Anti-Spamsoftware, dass auch die Produkte seines Hauses die Texte von E-Mails automatisch analysieren, um verdächtigen Stichworten und URLs auf die Spur zu kommen. Doch während das Ausfiltern von Spam dem gesamten System diene, gehe es Google allein ums Geld. Zudem würde Googles Werbemechanismus nur den Appetit der Direktmarketing-Agenturen nach noch detaillierteren demographischen Daten und stärker individualisierter Kundenansprache wecken.

Für Ari Schwartz vom Center for Democracy and Technology (CDT) ist der eigentliche Stein des Anstoßes nicht Gmail allein, sondern die Bildung persönlicher Profile über die zahlreichen Such-, Netzwerk- und Bloggerdienste des aufstrebenden Webimperiums hinweg: Mit einem einzelnen, dem Nutzer angehefteten Cookie könne Google Verbindungen zwischen der webbasierten Suchmaschine und dem Webmail-Dienst herstellen. Die Google-Justiziarin Wong bestätigte, dass dies tatsächlich stattfinde, jedoch nicht, um die Surfer auszuspionieren, sondern um die Nutzung aller Dienste mit einem einzelnen Login zu ermöglichen.

J.C. Cannon vom Redmonder Webmaildienst Hotmail wies offen auf einen Pferdefuss aller "Gratis"-Dienste im Internet hin: "Wenn man etwas kostenlos haben will, muss man dafür etwas aufgeben." Bei den Webmailern ist dies verstärkt der Schutz der persönlichen Daten, wenn Googles Modell Schule macht.

Zur Konferenz Computers, Freedom & Privacy 2004 siehe auch:

(Stefan Krempl) / (cp)