Menü

CFP: Netzguru hält universellen Wissensspeicher für machbar

Brewster Kahle, der Gründer des Internet Archive, hält die technischen und finanziellen Hindernisse beim Aufbau einer umfassenden digitalen Bibliothek des geistigen Schaffens der Menschheit für überwindbar. "Wir können es schaffen, das gesamte menschliche Wissen online verfügbar zu machen", erklärte der Netzguru zum Abschluss der Konferenz Computers, Freedom & Privacy (CFP) am Freitagabend in Berkeley.

Die größten Hindernisse seien neben zu rigiden Gesetzen zum Schutz des "geistigen Eigentums" vor allem psychologische: "Wir müssen uns erst mit dem Gedanken anfreunden, dass es wirklich möglich ist", philosophierte der Kalifornier, der seit dem Verkauf seines Webindex' Alexa an Amazon an der Konservierung der multimedialen Welt arbeitet. Noch sei die Gefahr groß, dass das Vorantreiben entsprechender Ideen als "Hype aus den 90ern" abgetan werde.

Der Aktivist spricht selbst von einem großen, mit der antiken Bibliothek von Alexandria begonnenen "Mythos", das komplette in Medien aufgezeichnete Wissen verfügbar machen zu wollen. Nichtsdestoweniger sieht er alle benötigten Zutaten zur Erfüllung des alten Menschheitstraums mit dem Internet, fallenden Speicher- und Bandbreitenpreisen sowie einer auf "Open Access" setzenden Gesellschaft für vorhanden an.

Fast schon ein Kinderspiel sei es, einen Großteil der überlieferten Buchwelt zu digitalisieren und online vorrätig zu halten. Im Rahmen des über das Internet Archive zugänglichen "1-Million-Book"-Projekts seien momentan vor allem in Indien und China viele Freiwillige dabei, frei verfügbare Bücher zu scannen. Pro Buch müsse man dabei rund zehn US-Dollar veranschlagen. Demnach würde es etwa 260 Millionen Dollar kosten, die gesamten 26 Millionen Werke der amerikanischen Library of Congress zu digitalisieren. Das sei die Hälfte des Jahresbudgets der Institution und somit eine erschwingliche Summe. Die Speicherkosten schätzt Kahle auf weitere 600.000 Dollar.

Die Digitalisierung der "zwei bis drei Millionen" Tonwerke, die im 20. Jahrhundert entstanden seien, hält der Visionär ebenfalls für machbar. Selbst im Bereich der speicherhungrigen bewegten Bilder wird Kahle nicht bange. Er schätzt die Zahl der veröffentlichten Kinofilme auf "100.000 bis 200.000". Eine erste Kollektion von 600, bereits in die Public Domain gewanderter Streifen habe sich sein Team als erstes für die Digitalisierung vorgenommen, über 50 seien davon schon abrufbar.

Zur Konferenz Computers, Freedom & Privacy 2004 siehe auch:

(Stefan Krempl) / (Stefan Krempl) / (cp)

Anzeige
Zur Startseite
Anzeige