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CIA-Agenten sollen Web-Anonymisierer nutzen

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Der US-Auslandsgeheimdienst CIA will die Software des Web-Anonymisierers Safeweb nutzen, um seine Agenten anonym surfen zu lassen. Nach einem Bericht des Wall Street Journal will das Startup-Unternehmen Safeweb, das seit Oktober letzten Jahres seinen Anonymisierungsdienst anbietet, gemeinsam mit der CIA-Venture-Capital-Firma In-Q-Tel eine erweiterte Version der Safeweb-Software Triangle Boy entwickeln. Safeweb verwischt Datenspuren im Internet, anonymisiert Web-Zugriffe, filtert auf Wusch "bedenkliche" Inhalte wie Skripte, Cookies, die automatische Ausführung von Plugins oder unterdrückt lästige Pop-Up-Fenster. Die gesamte Kommunikation mit dem Surfer läuft verschlüsselt.

Die CIA denkt aber auch über andere interessante Anwendungen nach: So könnten beispielsweise V-Leute anonym mit der CIA-Zentrale kommunizieren; und die Software könnte dazu genutzt werden, vom Internet abgeschottete Länder mit "unzensierten" Informationen zu versorgen. Safeweb, die ihren Service unentgeltlich anbieten, anonymisieren nach eigenen Angaben mittlerweile bereits über eine Million Seitenaufrufe pro Tag. Mitte Dezember ließ Saudi-Arabien den Zugriff auf Safeweb für alle inländischen Nutzer sperren.

Der CIA-Deal lässt natürlich Befürchtungen laut werden, der Geheimdienst wolle die zugrunde liegende Technologie ausspionieren oder infiltrieren. Firmengründer Stephen Hsu schätzt, dass die Nachricht vom CIA-Geschäft etwa fünf Prozent aller Benutzer abschrecken wird, versichert aber, dass die CIA keinerlei Zugriff auf Kundendaten bekommt. Das Geschäft habe aber auch einen positiven Werbeeffekt, erklärt Hsu: "Und wer wäre schließlich besser geeignet, die Qualität unserer Privacy-Software zu testen, als die Top-Spione der Welt? Wenn unsere Technologie sie zufrieden stellen kann, dann kann sie fast jeden zufrieden stellen."

Ob die neue Software die Datensicherheit beim US-Geheimdienst verbessern wird, bleibt abzuwarten – die CIA hatte sich in letzter Zeit durch eine ganze Reihe von Computerpannen diskreditiert. So wurden etwa Ende letzten Jahres eine Reihe hoher Geheimdienstler suspendiert, weil sie seit Mitte der 80er Jahre einen geheimen Chatraum im CIA-Netz betrieben . Im Laufe der Jahre waren etwa 160 Personen in diese Affäre verwickelt. Vor vier Jahren musste der seinerzeit amtierende CIA-Chef seinen Hut nehmen, weil er geheime Akten mit nach Hause genommen und auf seinem ungesicherten Privat-PC bearbeitet haben soll. (wst)