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CICADA mk5: Wegwerfdrohne sammelt Daten für den Kampf

Die US-Navy hat eine billige Flugdrohne entwickelt, die in Schwärmen über dem Schlachtfeld abgeworfen wird. Auf dem Weg nach unten sammelt sie kriegswichtige Daten.

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Rote Drohne, davor Filzstift zum Größenvergleich

CICADA mk5, zwecks Größenvergleich mit Filzstift

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

65 Gramm wiegt die etwa handgroße CICADA mk5 (Zikade mk5), eine von US-Militärs entwickelte Wegwerfdrohne. Sie dient dazu, Sensoren in ein Schlachtfeld einzubringen. Die Zikade besteht im Wesentlichen aus einem 3D-gedruckten Rumpf sowie einer Platine, die auch die "Flügel" bildet. Auf jeder Seite gibt es ein bewegliches Querruder, das von einem Autopiloten autonom gesteuert wird. Weil die mk5 keinen eigenen Antrieb hat, wird sie aus der Luft abgeworfen, etwa aus Flugzeugen oder Hubschraubern oder von Fallschirmspringern.

Die CICADA mk5 wird zu zehn oder 32 Stück in Standardcontainer der US-Kriegsmarine verpackt. Das erleichtert den Abwurf eines Schwarms über dem Kampfgebiet.

(Bild: NRL)

CICADA steht für Close-In Covert Autonomous Disposable Aircraft (etwa: In unmittelbarer Nähe verdeckt operierendes, autonomes Wegwerf-Luftfahrzeug). Die Flugdrohne ist eine Entwicklung des US Naval Research Laboratory (NRL), einer Forschungseinrichtung von US-Kriegsmarine und US-Marineinfanterie. Das NRL zeigte das Gerät auf der Drohnenmesse Xponential in Dallas und bezeichnet es als das "kleinste, einfachste und billigste Luftfahrzeug, das einen Sensor präzise auf dem Schlachtfeld platzieren kann."

Nach dem Abwurf muss der Autopilot mithilfe von GPS und Gyroskop die Fluglage stabilisieren. Danach gleitet die Zikade zu Boden. Gegenüber heise online gab ein NRL-Forscher an, dass die mk5 pro Minute etwa 3.000 Fuß (gut 900 Meter) zurücklegt und dabei 1.000 Fuß (etwa 300 Meter) Höhe verliert. Die Wegwerfdrohnen seien bereits über 200 mal geflogen und hätten auch bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 40 Knoten (74 km/h) gut funktioniert. Die erreichte Zielgenauigkeit soll durchschnittlich +/- fünf Meter betragen.

Soweit bekannt ist, wurden die Zikaden bisher mit Wettersensoren für Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit bestückt, zudem wird während des Sinkfluges ein Windprofil erstellt. Natürlich könnte die fliegende Platine auch mit anderen Sensoren bestückt werden. Die erhobenen Daten werden mittels Mobilfunkmodul per SMS nach Hause geschickt. Sofern Sichtverbindungen mit maximal 1,5 km Distanz gegeben sind, kann ein Zikadenschwarm auch ein Mesh-Funknetz bilden und so seine Messdaten laufend in Echtzeit übermitteln.

Im Rahmen der Testflüge werden die Zikaden natürlich wieder eingesammelt und wiederverwendet. Sie sind aber so billig, dass das im Kampfgebiet nicht notwendig ist. Weil die Drohnen klein und mangels Antrieb sehr leise sind, ist es für den Gegner schwierig, einen Zikadenschwarm abzuwehren. Das Büro für Techniktransfer des NRL möchte nun auch zivile Nutzer für seine Wegwerfdrohne interessieren und nennt Atmosphärenforschung als möglichen Einsatzzweck. (ds)

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