Menü

CO2, Daten und Geld: Was bei der UN-Klimakonferenz herausgekommen ist

14 Tage wurden über die Folgen der Klimaerwärmung und die Notwendigkeit des Handelns diskutiert. Die gefassten Beschlüsse lassen viel Spielraum.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 18 Beiträge
CO2, Daten und Geld: Was bei der UN-Klimakonferenz herausgekommen ist

(Bild: Anja Osenberg )

Mehr als 32.000 Politiker, Fachleute, Aktivisten, Journalisten und Wirtschaftsvertreter beim UN-Klimagipfel in Kattowitz (Katowice), 14 Tage lang Gespräche, Streit, Ringen um Deals - und was ist dabei herausgekommen? In Polen ging es drei Jahre nach der Einigung auf das Pariser Klimaschutzabkommen darum, sich auf Spielregeln für den Kampf gegen die Erderwärmung zu einigen. Und um Geld. Und um Symbole. "Ein kleines Wunder" sei der Kompromiss, sagt eine Verhandlerin. Einige Eckpunkte:

1,5-GRAD-ZIEL: Wissenschaftler aus aller Welt haben einen Bericht vorgelegt, demzufolge die Erderwärmung mit radikalen Maßnahmen noch auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau begrenzt werden kann - und sollte, denn zwei Grad Erwärmung hätten noch drastischere Folgen für Artensterben, Extremwetter, die menschliche Gesundheit und den Anstieg der Meeresspiegel. Umstritten war, wie prominent dieser 1,5-Grad-Bericht in der Gipfelerklärung vorkommen soll und welche Schlussfolgerungen gezogen werden.

Beschluss: Den Wissenschaftlern wird für ihre Arbeit gedankt, aber auf die Inhalte des Berichts geht die Erklärung nicht wirklich ein. Sie betont "die Dringlichkeit eines verstärkten Ehrgeizes, um die höchstmögliche Anstrengung aller Parteien (Staaten und EU) zur Minderung (von Treibhausgasen) und Anpassung (an den Klimawandel) sicherzustellen". Heißt: Ja, wir sollten mehr tun.

KLIMASCHÄDEN: Das Thema Schäden und Verluste durch den Klimawandel ist vor allem für die armen Staaten im globalen Süden wichtig – und für Inselstaaten, die im Ozean zu versinken drohen. Sie kämpfen dafür, die vom Treibhausgasausstoß der Industriestaaten über Jahrzehnte verstärkten Schäden gut sichtbar und eindeutig anzuerkennen. Die Industriestaaten dagegen fürchten, sie könnten damit quasi haftbar gemacht werden.

Beschluss: Zwischenzeitlich war das Thema in den Verhandlungen in eine Fußnote des Regelwerks gerutscht – sehr zum Ärger der Entwicklungsländer. Nach Protesten findet es sich nun im Haupttext.

FINANZHILFEN: Klimaschutz und die Anpassungen an die Erderhitzung kosten Geld, das viele Staaten nicht haben. Schon länger gibt es daher die Zusage, dass die Industriestaaten ab 2020 bis 2025 pro Jahr insgesamt 100 Milliarden Dollar "mobilisieren" – dazu zählen Steuergelder, aber auch private Mittel, etwa Investitionen von Unternehmen. Wichtig ist der milliardenschwere Grüne Klimafonds, aber auch der kleinere Anpassungsfonds. Die ärmeren Staaten wünschten sich längerfristige Zusagen, wann und wie Mittel fließen sollen.

Beschluss: Die Geberländer müssen künftig zwar allgemein angeben, welche Hilfen sie geben wollen. Wie viel und an welches Land genau ist damit aber nicht festgelegt. Wie es ab 2025 weitergeht, darüber wird ab 2020 gesprochen.

Anzeige

TRANSPARENZ: Das Pariser Klimaschutzabkommen funktioniert nur, wenn die Staaten sich gegenseitig halbwegs vertrauen. Nach dem Motto: "Ich strenge mich nur an, wenn du das auch machst." Deshalb sollen regelmäßig Berichte vorgelegt werden, in denen unter anderem steht, wie sich der Treibhausgasausstoß entwickelt hat und was ein Land für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel geleistet hat. Weniger entwickelte Staaten können solche Daten nicht so leicht erheben wie die Industrieländer, bisher galten für sie deswegen gelockerte Regeln.

Beschluss: Ab 2024 sollen alle nach denselben Regeln berichten. Allerdings können Entwicklungsländer weiterhin etwas mildere Maßstäbe in Anspruch nehmen. Für wirtschaftsstarke Schwellenländer wie China und Brasilien dürfte es schwierig werden, diese Ausnahmen für sich in Anspruch zu nehmen – das wäre kaum erklärbar.

VERBINDLICHKEIT: Spielregeln hin oder her – Sanktionen gibt es nicht, wenn ein Staat gegen sie verstößt. Das "scharfe Schwert der Transparenz" soll dafür sorgen, dass jeder über jeden Bescheid weiß und der soziale Druck alle dazu bringt, sich anzustrengen. Es gibt einen Ausschuss, der Staaten "helfen" soll, ihre Klimaschutz-Berichte ordentlich abzuliefern.

Beschluss: Damit der Ausschuss mit einem Land offiziell in Kontakt treten und eine Art Dialog über den Rückstand führen darf, braucht er aber das Einverständnis dieses Landes.

MARKT FÜR VERSCHMUTZUNGSRECHTE: Staaten können mit Verschmutzungsrechten handeln, denn für das Weltklima ist egal, wo die Treibhausgase herkommen und wo sie eingespart werden. Wichtig ist aber, dass hier nicht geschummelt werden kann und sich zum Beispiel zwei Staaten das gleiche gutschreiben. Bisher läuft das nicht gut. Deswegen soll es ein ganz neues System geben, das die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt. Der Streit darum hatte - vor allem, weil Basilien ausscherte - die Verhandlungen am Ende noch einmal lange verzögert.

Beschluss: Das Thema wurde auf das kommende Jahr vertagt. Nach Einschätzung von Verhandlern ist das erstmal nicht so schlimm – die wichtigen Regeln für die Umsetzung des Paris-Abkommens seien verabschiedet.

Plastikdeckel – und Millionen neu gepflanzte Bäume

Übrigens: Der Gipfel allein produzierte nach Schätzungen der Stadt Kattowitz rund 55.000 Tonnen CO2. Er fand mitten im polnischen Steinkohlegebiet statt. Tausende reisten mit Flieger und Co. an, das Kattowitzer Messegelände verwandelte sich in eine kleine Stadt. Diese wurde fast zwei Wochen lang beleuchtet, bei Außentemperaturen um Null Grad beheizt, von Helikoptern und Polizeifahrzeugen gesichert, die oft den Motor laufen ließen, wie Teilnehmer kritisierten. Kritik gab es auch an Plastikdeckeln für Kaffee und Essen und ein schmales Angebot an vegetarischen Gerichten. Millionen neu gepflanzte Bäume sollen das nun kompensieren.

Der nächste UN-Klimagipfel tagt in Chile, und zwar nach Angaben des dortigen Umweltministeriums entweder im Dezember 2019 oder Januar 2020. (bme)

Anzeige