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Technology Review

CO2-Speicher unter der Nordsee

300 Millionen Euro steckt die EU-Kommission in ein neues Kohlekraftwerk samt CO2-Speicher unter der Nordsee. Das berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe.

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Ein Konsortium aus der französischen Alstom, dem britischen Energieversorger Drax und dem Industriegas-Unternehmen BOC will mit dem Bau des ersten Kraftwerks, das im Produktionsbetrieb Kohlendioxid abscheidet und unterirdisch abspeichert, noch in diesem Jahr beginnen.

Das 426-Megawatt-Kraftwerk "White Rose“ spaltet das CO2 mit dem so genannten Oxyfuel-Verfahren ab. Das Treibhausgas soll anschließend unter Hochdruck verflüssigt und über eine Pipeline in einen Speicher unter der Nordsee gepumpt werden. Dabei handelt es sich um mit Salzwasser getränkte Sandsteinschichten, rund 65 Kilometer vor der Küste Großbritanniens in etwa 1000 Metern Tiefe unter dem Meeresboden. Die Speicherstätte ist vermutlich mindestens einen Quadratkilometer groß. Derzeit laufen Probebohrungen, um die genaue Größe zu ermitteln.

Bereits nach fünf Jahren Bauzeit soll das Kraftwerk ans Netz gehen. Der Zeitplan ist nicht einmal unrealistisch. Das Ergebnis einiger Umweltstudien wie auch die endgültige Genehmigung lokaler Behörden für White Rose stehen zwar noch aus. Nennenswerte Widerstände seitens der Bevölkerung gibt es aber bislang nicht. Angaben zu den voraussichtlichen Baukosten will Alstom noch nicht machen. Erst gegen Ende des Jahres sollen verlässliche Zahlen vorliegen – unter einer Milliarde Euro ist so ein Projekt allerdings wahrscheinlich nicht zu haben. 300 Millionen davon kommen aus Brüssel. Sie stammen aus einem Topf mit einer Milliarde Euro, die die EU-Kommission für Klimaschutzprojekte lockermacht – Einnahmen aus dem Emissionshandel.

Laut Isaac Valero Ladron, Sprecher des EU-Klimakommissariats, wollte die Kommission „eigentlich mehr CCS-Projekte fördern.“ Nur ziehen die Energieversorger in vielen EU-Ländern – wie Vattenfall in Deutschland – ihre Projekte mangels Akzeptanz zurück. Immerhin: Zwei Jahre zuvor hatte die EU-Kommission kein einziges förderfähiges CCS-Projekt in der EU gefunden.

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(wst)