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Caldera erhält den Quellcode von Windows 95

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Ein Richter in Utah hat angeordnet, daß Microsoft den Quellcode von Windows 95 binnen fünf Tagen an den Linux-Distributor Caldera aushändigen muß. Die Anordnung erging in einem Antitrust-Prozeß, den Caldera gegen Microsoft angestrengt hat. In dem Prozeß geht es um die Frage, ob Microsoft Windows absichtlich so programmiert hat, daß es nicht mit dem MS-DOS-Konkurrenten DR-DOS zusammenarbeitet.

Bereits 1991 hatten Analysen des Codes von Windows 3.1 zu diesem Verdacht geführt. Novell, damaliger Besitzer von DR-DOS, hatte eine Klage vorbereitet, ging aber letztlich nicht vor Gericht. Caldera, seit 1996 Besitzer von DR-DOS, verklagte Microsoft 1996 wegen unfairer Geschäftspraktiken: Durch falsche Aussagen hinsichtlich der Kompatibilität von DR-DOS und Windows und absichtliche Inkompatibilitäten mit DR-DOS in Windows habe der Redmonder Software-Riese versucht, DR-DOS als Konkurrenten des eigenen MS-DOS vom Markt zu verdrängen. Aus demselben Grund seien in Windows 95 MS-DOS und Windows illegalerweise fest miteinander verbunden.

Caldera darf den Windows-Quellcode lediglich zur Beweissicherung in dem laufenden Verfahren nutzen. Anwälte und Software-Experten haben bis September Zeit, entsprechende Stellen im Windows-Code zu finden. Die Forderung Microsofts, daß die Experten Calderas, die den Windows-Code inspizieren, für die nächsten 12 bis 18 Monate nicht an Betriebssystemprojekten mitarbeiten dürfen, wurde von dem Richter zurückgewiesen.

Strittig ist noch, welche Quelltexte von Microsoft offengelegt werden müssen. Caldera steht auf dem Standpunkt, daß sich die Anordnung auf die gesamten Quelltexte von MS-DOS, Windows 3.1 und Windows 95 bezieht; laut Microsoft sind lediglich die DOS-bezogenen Teile von Windows 95 betroffen. Die Hauptverhandlung ist für den Juni 1999 angesetzt. (odi)

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