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Call-by-Call im Ortsnetz (Update)

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Auf den einschlägigen Webseiten laufen bereits seit einigen Tagen Countdown-Zähler. Über fünf Jahre nach dem Start des Wettbewerbs im Telefonnetz ist nun auch das Ortsnetz ab 25. April für den Wettbewerb offen. Um die Freigabe war mit Zähnen und Klauen gestritten worden, der angepeilte Termin verzögerte sich immer wieder. Zuletzt hatte die EU mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof gedroht, wenn Deutschland die Richtlinien der EU nicht umsetze.

Zunächst ist in Deutschland aber nur Call-by-Call möglich. Dazu muss der Telefonkunde vor der Nummer eine Sparvorwahl nach dem Format 010xy oder 0100xy wählen, um das Gespräch über den gewünschten Anbieter zu führen. Bei Ortsgesprächen kann man anschließend die Zielrufummer eingeben, die Ortsnetzkennzahl ist nicht notwendig. Die so genannte Preselection, eine feste Voreinstellung auf einen vom Kunden gewünschten Anbieter, wird für Ortsgespräche erst ab 9. Juli angeboten. Die Telefongesellschaft Arcor hatte dagegen vergeblich Klage erhoben.

Für den Kunden bedeutet das zunächst einmal fallende Preise. Allerdings ist kein dramatischer Preisrückgang wie bei der Freigabe des Marktes für Fern- und Auslandsgespräche Anfang 1998 zu erwarten. Die Preise waren in den ersten zwei Jahren des Wettbewerbs um bis zu 90 Prozent gesunken. Im Ortsnetz sind hingegen auf Dauer nur geringe Einsparungen zu erwarten. Das liegt daran, dass die Telekom-Konkurrenten für jede Gesprächsminute die so genannten Interconnection-Kosten in Höhe von rund 1 bis 1,5 Cent pro Minute an die Telekom abführen müssen. Sobald die Anbieter diesen Preis unterbieten, fahren sie bei jeder Verbindung Verluste ein. Dumping-Angebote unter dieser Preisschwelle dürften also nicht von Dauer sein.

Einige Anbieter sind nicht bundesweit verfügbar. Um flächendeckend Ortsgespräche anbieten zu können, müssten die Anbieter in über 400 Orts-Vermittlungsstellen Verbindungen ins eigene Netz schaffen. Das lohnt sich in ländlichen Gebieten für kleinere Telefongesellschaften nicht. Voraussichtlich wird der Wettbewerb in Großstädten daher lebhafter ausfallen als auf dem flachen Land.

Die Ortsgespräche bergen aber auch eine kleine Gebührenfalle: Während die Telekom Verbindungen in angrenzende Ortsnetze bis zu einer Entfernung von 20 Kilometern noch als Nahgespräch zu Ortsgesprächspreisen abrechnet, gelten diese bei einigen Konkurrenten bereits als Ferngespräche und werden entsprechend teurer in Rechnung gestellt.

Um die Tarife pokerten die Konkurrenten bis zur letzten Minute. Bislang haben fünf Telekom-Konkurrenten die Preise für Ortsgespräche bekannt gegeben. Man darf aber damit rechnen, dass weitere Anbieter in dieses Geschäft einsteigen.

Preise für Ortsnetzgespräche (Cent pro Minute)
Anbieter Vorwahl Takt Bundesweit verfügbar 7-8 Uhr 8-9 Uhr 9-18 Uhr 18-19 Uhr 19-20 Uhr 20-21 Uhr 21-7 Uhr Sa/So
01051 Telecom 01051 60/60 Nein 1 1 1 1 1 1 1 1
3U Telecom 01078 1/1 Nein 1,49 1,99 1,99 1,49 1,49 1,49 1,49 1,49
Arcor 01070 60/60 Ja 4,5 4,5 4,5 3,1 3,1 1,7 1,7 1,49
Freenet 01019 60/60 Nein 1,3 1,3 1,5 1,3 1,3 1,3 1,3 1,3
Tele2 01013 60/60 Ja 3,09 3,09 3,09 3,09 0,99 0,99 0,99 0,99
Telekom (analog) 01033 Einheiten zu 6 Cent Ja 1,5 2,4 4 2,4 2,4 2,4 1,5 1,5
Telekom (ISDN) 01033 Einheiten zu 6 Cent Ja 1,5 4 4 1,5 1,5 1,5 1,5 1,5
Telekom (Aktiv Plus) 01033 60/60 Ja 3,1 3,1 3,1 1,6 1,6 1,6 1,6 1,6

Die Preise unterscheiden sich deutlich. Allerdings sind die Angebote der verschiedenen Telefonfirmen nicht ohne weiteres miteinander vergleichbar: Ein Anbieter der im Sekundentakt abrechnet, ist bei kürzeren Gesprächen in der Regel günstiger. Rein rechnerisch muss im Durchschnitt ein halber Takt pro Gespräch bezahlt werden, obwohl diese Zeit gar nicht in Anspruch genommen wurde. Beim Standard-Tarif der Telekom sind das im Mittel also 3 Cent pro Verbindung. Welches Angebot tatsächlich günstiger ist, hängt also von der durchschnittlichen Gesprächsdauer ab. Als Faustregel gilt: Je länger ein Gespräch im Schnitt dauert, desto weniger fällt ein ungünstiger Abrechnungstakt ins Gewicht.