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Cambridge Analytica: Facebook in Italien zu einer Million Euro Strafe verurteilt

Die italienische Datenschutzbehörde verhängt eine Millionenstrafe gegen Facebook. Beim Datenskandal 2015 waren auch zahlreiche Italiener betroffen.

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(Bild: dpa, Richard Drew/AP)

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Die italienische Datenschutzbehörde Garante (Garante per la protezione dei dati personali) hat das Unternehmen Facebook zu einer Strafzahlung in Höhe von einer Million Euro verurteilt. Laut der Entscheidung hat Facebook im Rahmen der Vorgänge um die Analysefirma Cambridge Analytica auch die missbräuchliche Nutzung von Daten italienischer Facebook-Nutzer und deren Facebook-"Freunden" zugelassen.

Die Behörde beruft sich bei den Vorfällen aus dem Jahr 2015 auf den damals gültigen Datenschutz-Rechtsrahmen des Landes, da die inzwischen in Kraft getretene EU-Datenschutzgrundverordnung hierbei noch keine Anwendung finden kann – andernfalls hätte die Strafe auch erheblich höher ausfallen können.

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Das inzwischen pleitegegangene Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica hatte über eine vermeintlich harmlose Lifestyle-Quiz-App mit Facebook-Login eines ehemaligen Psychologieprofessors Daten der App-Benutzer sowie – ungefragt und insgeheim – auch von deren Facebook-"Freunden" erhalten und ausgewertet. Dabei hatte das Unternehmen vorwiegend US-Bürger ausgespäht, um diese Daten unter anderem für den US-Präsidentschaftswahlkampf von Donald Trump bereitzustellen.

Wie Garante mitteilt, hat die Behörde jedoch auch 57 italienische Nutzer ermittelt, die diese App heruntergeladen und sich darin über ihr Facebook-Konto angemeldet haben. Der auf diesem Weg hergestellte Zugriff auf die "Freunde" des jeweiligen Facebook-Kontos habe dazu geführt, dass die Daten weiterer 214.077 italienischer Facebook-Benutzer ohne deren Kenntnis und Zustimmung gesammelt wurden. Allerdings seien diese Daten nicht an Cambridge Analytica übertragen worden, wie die Behörde betont.

Gegenüber dem Magazin TechCrunch verteidigte ein Facebook-Sprecher sein Unternehmen: Keine Daten italienischer Nutzer seien zu Cambridge Analytica gelangt. Das Unternehmen tue mittlerweile viel für den Datenschutz seiner Nutzer und habe strengere Richtlinien erlassen, die den Zugriff von Entwicklern auf Nutzerdaten reglementierten. Rückblickend wünsche man sich, 2015 mehr unternommen zu haben, als die Vorwürfe gegen Cambridge Analytica bekannt geworden seien. Facebook werde die Begründung der Behörde überprüfen und auch weiterhin auf deren Bedenken eingehen.

Bereits im März dieses Jahres hatte die italienische Behörde Facebook darüber informiert, dass sie wegen mehrerer Verstöße gegen das Unternehmen ermittle, darunter wegen nicht bereitgestellter Informationen und Dokumente als Reaktion auf ihre Anfrage. Damals habe Facebook von der Möglichkeit Gebrauch machen wollen, mit der Zahlung einer reduzierten Strafe von 52.000 Euro das Verfahren einzustellen. Jedoch kam Garante angesichts der Größe und Bedeutung von Facebooks Datenbeständen zu der Einschätzung, dass eine reduzierte Strafe den Verstößen nicht angemessen sei. Man habe bei der Berechnung des Strafmaßes die Größe von Facebooks Datenbank, den wirtschaftlichen Status des Unternehmens und die Zahl seiner Benutzer weltweit sowie in Italien einbezogen.

Ende vergangenen Jahres hatte bereits die italienische Wettbewerbsbehörde AGCM Facebook zu mehreren Strafen von insgesamt 10 Millionen Euro verurteilt. Facebook führe seine Nutzer mit unklaren Hinweisen in die Irre und verfolge außerdem eine aggressive Geschäftspraktik beim Verwerten gesammelter Nutzerdaten, lautet die Begründung.

Der Facebook-Datenskandal wurde im März 2018 bekannt und betraf insgesamt etwa 87 Millionen Nutzer des sozialen Netzwerks, darunter überwiegend US-Amerikaner. Entwickler hatten bis dahin die Möglichkeit, über die "Friends"-Funktion Daten von Freunden von Facebook-Nutzern ohne deren Zustimmung zu sammeln. Lediglich die Weitergabe an Dritte (wie in diesem Fall an Cambridge Analytica) war durch die Richtlinien eigentlich untersagt, weshalb Facebook schließlich den Zugriff der Cambridge-Analytica-Entwickler sowie der Autoren der fraglichen App unterband.

Außerdem verschärfte das Unternehmen seine Entwicklerrichtlinien, schaltete die fragliche Funktion ab und beteuerte öffentlich, künftig mehr Gewicht auf die Privatsphäre und den Datenschutz seiner Benutzer zu legen. Jedoch gewährte Facebook eine Zeitlang ausgewählten Firmen weiterhin Zugriff auf die "Freunde"-Funktion, wie später herauskam.

Im Zuge des Cambridge-Analytica-Skandals wurde der Social-Media-Konzern bereits in Großbritannien zu einer Strafe von 500.000 Pfund verurteilt. Im US-Bundesdistrikt Washington, D.C. wehrt sich Facebook derzeit gegen eine Zivilklage, in der dem Unternehmen unter anderem Datenschutzverstöße vorgeworfen werden. Auch die US-Handelsbehörde FTC hat wegen des Datenskandals Ermittlungen gegen das Unternehmen aufgenommen. Kürzlich wurde bekannt, dass Facebook wegen der diversen Datenschutzskandale der Vergangenheit insgesamt bis zu 5 Milliarden US-Dollar für mögliche Strafzahlungen zurückstellen will.

Jüngste Wendung in dieser Geschichte: Aleksandr Kogan, ehemaliger Psychologie-Professor und Urheber der Quiz-App, über die er die damit gesammelten Daten unter anderem an Cambridge Analytica weitergab, verklagt nun seinerseits Facebook wegen Verleumdung. Seine Begründung: Facebook habe die missbräuchliche Weitergabe von Nutzerdaten an Dritte über zahlreiche Apps wissentlich geduldet, weshalb man ihm zu Unrecht vorwerfe, das Unternehmen darüber belogen zu haben. (tiw)