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Cambridge-Analytica-Professor verklagt Facebook wegen Verleumdung

Aleksandr Kogan hat jene App erstellt, die Daten von Millionen Facebook-Usern geerntet hat. Dann verkaufte er die Daten weiter. Nun verklagt Kogan Facebook.

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Facebook-Schriftzug

Facebook wusste spätestens seit Ende 2015, dass der Cambridge-Professor Aleksandr Kogan Nutzer-Daten an die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica weitergegeben hatte.

(Bild: dpa, Richard Drew/AP)

Aleksandr Kogan verklagt Facebook wegen Verleumdung. Der ehemalige Psychologie-Professor hatte 2015 ein Quiz auf Facebook verbreitet, über das er umfangreich Daten sammelte. Die verkaufte er später an mehrere Firmen weiter, darunter Cambridge Analytica und Eunoia Technologies. Facebook beschuldigt Kogan, das Unternehmen hinters Licht geführt zu haben. Dadurch fühlt sich Kogan verleumdet.

Seine Quiz-App habe sich im Kleingedruckten vorbehalten, gewonnene Daten auch kommerziell zu nutzen. Das dürfte gegen Facebooks Nutzungsbedingungen verstoßen haben. Der Ex-Professor meint aber, Facebook habe das wissentlich bei zahlreichen Apps geduldet. Er will den Vorwurf, den Datenkonzern belogen zu haben, nicht auf sich sitzen lassen.

Also geht er gegen Facebook gerichtlich vor, wie die New York Times meldet, offenbar zivilrechtlich. Bei welchem Gericht das Verfahren läuft, verrät die Zeitung nicht. Eine konkrete Schadenssumme werde nicht gefordert: Das möchte Kogans Anwalt den Geschworenen überlassen. In den Vereinigten Staaten sind Geschworene auch bei Zivilverfahren möglich.

Kogans Quiz hatte zwar nur etwa 300.000 Teilnehmer, dennoch waren insgesamt rund 87 Millionen Facebook-User von der illegitimen Datenernte betroffen. Denn Kogan hatte als App-Betreiber auch Zugriff auf Daten der Freunde der Teilnehmer, obwohl diese Freunde den App-Bedingungen nie zugestimmt hatten. Deutsche Nutzer waren aber wohl doch nicht betroffen.

In einem Interview mit dem US-Fernsehsender CNBC im April des Vorjahres zum Facebook-Datenskandal bezeichnete Kogan sein Vorgehen als "business as usual". Wahrscheinlich seien Daten jedes einzelnen Facebook-Users von Apps unterschiedlicher Betreiber mehrfach abgegriffen worden, so Kogan. Zuckerberg sei ein Heuchler, wenn er sich als Opfer darstelle.

Aleksandr Kogan (rechts) zu Gast bei CNBC im April 2018

Facebook fühlt sich durch die Klage schikaniert und verweist erneut darauf, dass Kogan mit seiner App die Nutzungsbedingungen Facebooks verletzt habe. (ds)