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Cambridge-Analytica-Skandal: Großbritannien beschlagnahmt Facebook-Dokumente

Das britische Parlament erzwingt die Herausgabe interner Dokumente, die Facebook belasten: Die Firma soll den Datenskandal anfangs sogar ausgenutzt haben.

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Facebook

(Bild: dpa, Silas Stein)

Neue Wende im Skandal um Facebook und die Datenanalysefirma Cambridge Analytica: Das britische Parlament hat in einem ungewöhnlichen Schritt die Herausgabe interner Facebook-Dokumente erzwungen. Darunter sollen sich auch E-Mails verantwortlicher Manager sowie von Facebook-Chef Mark Zuckerberg befinden, die Aufklärung über den Skandal versprechen, meldet der Guardian.

Der Vorsitzende des Digital, Culture, Media and Sports Committee (DCMS), Damian Collins, nutzte laut dem Bericht im Guardian einen nie zuvor angewandten parlamentarischen Prozess, um den Gründer der Softwarefirma Six4Three während einer Geschäftsreise nach London zur Herausgabe interner Facebook-Dokumente zu nötigen. Ein Sergeant-at-Arms habe ihn zunächst in seinem Hotel aufgesucht und ein Ultimatum von zwei Stunden gestellt, innerhalb dessen er die Dokumente zu übergeben habe.

Als das verstrichen war, wurde der Mann zum Parlament geleitet und dort informiert, dass Geld- und Gefängnisstrafe drohten, wenn er der Aufforderung nicht nachkäme.

Das Unternehmen Six4Three – ein externer Facebook-Softwareentwickler – geht juristisch gegen Facebook wegen der Investition in eine App vor und beschuldigt den Social-Media-Konzern, von den fragwürdigen Implikationen seiner damals gültigen Privatsphären-Richtlinie gewusst zu haben, die Partnerfirmen wie Cambridge Analytica die nahezu uneingeschränkte Aneignung von Nutzerdaten (inklusive "Freunden von Freunden" ohne deren Zustimmung) erlaubt habe. Facebook soll zudem diese Situation gezielt herbeigeführt, für sich ausgenutzt und auf den praktisch ausgehebelten Datenschutz sogar hingewiesen haben.

Schließlich habe Facebook diese Situation jedoch 2015 mit geänderten Richtlinien bereinigen wollen und den Zugriff der Entwickler auf Nutzerdaten eingeschränkt, so die Vorwürfe von Six4Three. Einigen Entwicklern soll Facebook aber sogar nach diesem Zeitpunkt Zugriff auf "Freunde"-Daten gewährt haben. Facebook streitet diese Anschuldigungen ab und geht seinerseits juristisch dagegen vor.

In Zuge dieses Rechtsstreits zwischen Six4Three und Facebook hat ein US-amerikanisches Gericht in Kalifornien bereits verfügt, dass die fraglichen Dokumente in den USA nicht veröffentlicht werden dürfen. Facebook habe nach der Beschlagnahmung durch das britische Parlament das DCMS-Komitee bereits aufgefordert, die Dokumente weder zu lesen noch zu veröffentlichen und sie zurückzugeben.

Allerdings ist fraglich, ob Collins dem nachkommen wird. "Dies ist ein beispielloser Vorgang, aber es ist auch eine beispiellose Situation. Wir haben von Facebook keine Antworten erhalten und wir glauben, dass diese Dokumente Informationen von hohem öffentlichen Interesse enthalten", sagte er dem Guardian.

Die britische Datenschutzaufsicht hatte Facebook wegen des Datenskandals bereits zu einer Strafe von 500.000 Pfund verurteilt. Der im März 2018 bekannt gewordene Skandal hatte bald darauf zur Einstellung der Geschäfte von Cambridge Analytica und seiner Muttergesellschaft geführt. Auch der Whistleblower Christopher Wylie, dessen Enthüllungen den Skandal ausgelöst hatten, bekräftige jüngst, Facebook habe von Anfang an über die Situation Bescheid gewusst.

(tiw)

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