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Cambridge Analytica: Trumps angebliche Datenhelfer wohl nur heiße Luft

Nach dem überraschenden Wahlsieg Donald Trumps in den USA hatte Cambridge Analytica behauptet, entscheidend für dessen Erfolg gewesen zu sein. Psychometrie habe eine hochgradig personalisierte Wahlwerbung ermöglicht. Da ist wohl wenig Wahres dran.

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Flagge der USA

(Bild: Darron Birgenheier, CC BY-SA 2.0 )

Nachdem die Datenanalysten von Cambridge Analytica wegen ihres angeblichen Einflusses auf den Wahlsieg Donald Trumps in aller Munde waren, scheint sich nun zu bestätigen, dass daran nichts dran ist. Wie die New York Times berichtet, haben mehrere Mitarbeiter die wichtigsten Behauptungen zum Einfluss ihres Unternehmens auf die US-Präsidentschaftswahl zurückgewiesen. Schon vor deren Ende mit dem überraschenden Sieg Donald Trumps hatte Cambridge Analytica behauptet, mittels psychologischer Erkenntnisse einen hochgradig personalisierten Wahlkampf ermöglichen zu können. Nach der Wahl hatte ein Artikel im Schweizer Magazin diese Behauptung popularisiert.

Wahlkampf dank Psychometrie

Demnach hatte Cambridge Analytica unter Rückgriff auf die sogenannte Psychometrie individualisierte Wahlwerbung für Donald Trump konzipiert und damit dessen Wahlkampf entscheidend beeinflusst. Zugrunde lagen dieser auf die psychologischen Profile ausgerichteten Anzeigen demnach die auf Facebook einsehbaren Vorlieben jedes Nutzers, mit denen sich deren Verhalten genauer vorhersagen lassen soll, als es selbst enge Angehörige könnten. Das habe Trump den entscheidenden Vorteil gegenüber seiner Gegnerin Hillary Clinton gegeben und seinen Wahlsieg ermöglicht, hieß es in dem Schweizer Magazin. Und auch der Geschäftsführer verbreitete dieses Behauptung nur zu gerne.

Mit der Wahrheit hatte dies aber wohl nichts zu tun - schon nach Erscheinen des Artikels über Cambridge Analytica stellten Kritiker die Behauptungen der Firma grundlegend in Frage. Und wie die New York Times nun ausführt, scheiterte Cambridge Analytica schon bei der Kampagne des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Ted Cruz. Dessen Team habe die Kooperation beendet, nachdem sich deren Daten als äußerst unzuverlässig herausgestellt hätten. Trotzdem habe das Unternehmen danach das Trump-Team überzeugen und eine Zusammenarbeit einfädeln können. Psychometrie sei aber nicht eingesetzt worden und die Mitarbeiter hätten vor allem an anderen Projekten mitgeholfen. Die vorgeführten Daten und Modelle von Cambridge Analytica seien etwas unzuverlässiger gewesen, als die bereits eingesetzten der Republikaner.

Personalisierung vs. Datenschutz

Die Debatte um Big Data in Wahlkämpfen dürfte aber nicht vom Tisch sein. Zwar wird es Cambridge Analytica nach den eingestanden Übertreibungen oder Unwahrheiten schwer fallen, neue Auftraggeber zu finden. Aber auch in Europa und Deutschland werden soziale Netze weiterhin wichtiger. Hierzulande stehen Bemühungen, das stärker auszunutzen aber auch die strikteren Datenschutzgesetze im Weg. So hatte der Geschäftsführer von Cambridge Analytica auch behauptet, sein Unternehmen habe einen Teil zum Sieg der EU-Gegner in der Brexit-Kampagne beigetragen. Das dementiert seine Firma nun, wohl nicht zufällig, nachdem britische Behörden eine Untersuchung eingeleitet haben. (mho)

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