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Campus Party: App-Entwickler sollen Datenschutz stärker berücksichtigen

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Vertreter von Wirtschaftsvereinigungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen waren sich am Freitag auf der Campus Party in Berlin einig, dass eine stärkere Selbstkontrolle von Firmen und Programmierern die Privatsphäre im Internet am besten sichern kann. "Die Selbstregulierung funktioniert gut", erklärte Christine Runnegar, Datenschutzexpertin bei der Internet Society (ISOC), auf dem Technikfestival. Rainey Reitman von der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) war prinzipiell der gleichen Ansicht, wenn auch mit Abstrichen: "Es ist etwas schwer, die Werbetreibenden mit an den Tisch zu bringen."

Pat Walshe (GSMA), Rainey Reitman (EFF), Christine Runnegar ­(ISOC) auf dem Podium (v.l.n.r.)

(Bild: Stefan Krempl)

Viele Anbieter machten im Web oder im mobilen Netz mittlerweile ausreichend deutlich, welche Daten sie für welche Zwecke verwendeten, betonte Reitman. Es gebe aber "noch viel Raum für Verbesserungen". Wichtig sei es, dass die Firmen Datenschutz als Wettbewerbsfaktor verstünden. Die EFF habe daher im März eine "Bill of Rights" für die Privatsphäre in der mobilen Welt vorgestellt, um dafür eine Richtschnur aufzustellen. Parallel dazu müssten aber auch die Nutzer ihre Wünsche lautstark aussprechen. Wenn dies alles nicht ausreiche, sei ein hartes Eingreifen staatlicher Aufsichtsbehörden nötig.

Reitman begrüßte in diesem Sinne die von der Federal Trade Commission (FTC) unlängst verhängte Rekordstrafe gegen Google, nachdem der Internetriese die Cookies-Blockade im Safari-Browser ausgehebelt hatte. Es sei auch wichtig, die Schuldigen hier beim Namen zu nennen und öffentlich bloßzustellen. Generell berücksichtigten die Praktiken vieler Internetunternehmen noch nicht die Erwartungen der Nutzer an die Gewährleistung ihrer Privatsphäre.

Pat Walshe, Datenschutzleiter der GSM Association (GSMA), die Mobilnetzbetreiber auf aller Welt mit rund 5,5 Milliarden Kunden vertritt, beklagte, dass es im mobilen Ökosystem angesichts der Vielzahl der Beteiligten wie der Provider, der Gerätehersteller, der App-Anbieter oder der Systemintegratoren keinen einheitlichen Datenschutzansatz gäbe. Dazu käme, dass mobile Dienste global angeboten würden und trotzdem Gegenstand nationaler Gesetzgebung seien.

"Es gibt sehr viele Möglichkeiten, ein Individuum mit einem mobilen Gerät zu überwachen und zu verfolgen", räumte Walshe ein. Seien Daten erst mal erhoben und auf Servern gespeichert, gelinge es Usern kaum mehr, diese wieder löschen zu lassen. Ihnen müssten daher Werkzeuge an die Hand gegeben werden, um ihre Privatsphäre verwalten zu können. Bei der Entwicklung entsprechender Datenschutztechniken hätte die Industrie noch großen Nachholbedarf, aber auch der Gesetzgeber dränge zuwenig darauf. Da die Wirtschaft nicht darauf warten könne, bis die Politik aufhole, habe die GSMA als ersten Schritt eigene Datenschutzrichtlinien für App-Entwickler aufgestellt. Die Sicherheitslücken im GSM-Standard selbst, die Hacker wiederholt nachgewiesen haben, wollte Walshe nicht thematisieren.

Reitman appellierte ebenfalls an die Programmier, den Schutz der Privatsphäre von vornherein in den Entwicklungsprozess einzubauen. Firmen könnten Daten natürlich auch für ihre Geschäftsprozesse nutzen, führte die EFF-Aktivistin aus. Dies dürfe aber nicht ohne das Wissen und Einverständnis der User erfolgen. Runnegar, ihre Kollegin von der ISOC, zeigte sich besonders besorgt über die "digitalen Fußspuren", die Nutzer im Web zwangsweise hinterließen. Die ISOC habe daher eine neue Abteilung eingerichtet, um den Datenschutz in Web-Standards zu verbessern. (mho)