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CeBIT-Eröffnung: Was digital werden kann, wird digital

In Hannover wurde am Sonntagabend die Computermesse CeBIT eröffnet. Alles drehte sich um das Motto d!conomy und das Partnerland China.

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(Bild: CeBIT)

Die Eröffnung der Computermesse CeBIT in der Kongresshalle Hannover stand ganz im Zeichen der digitalen Wirtschaft und dem diesjährigen Partnerland China. Gleich zwei der Ehrengäste kamen diesmal aus dem Reich der Mitte, Alibaba-Chef Jack Ma und der chinesische Vizepremier Ma Kai.

Jack Ma

(Bild: CeBIT)

Jack Ma geht davon aus, dass es künftig ein Consumer-to-Business-Geschäft mit viel Datenaufwand geben werde. Die Maschinen würden nicht mit Öl oder Strom laufen, sondern mit Daten. Die Unternehmen müssen schneller und flexibler werden, meint Ma. Da es nicht auf Muskeln, sondern auf Klugheit und Mitgefühl ankomme, werde es auch mehr Frauen in der Geschäftswelt geben. Apple sei vielleicht nicht das Unternehmen der Zukunft, werde uns aber sagen, wie die Zukunft aussieht. "Es ist nicht die Technik, die die Welt verändert, sondern die Träume, die dahinter stehen", sagte Ma, bevor er den mobilen Einkauf im Netz mit Hilfe einer App mit Gesichtserkennung als Legitimierung demonstrierte.

Ma Kai

(Bild: CeBIT)

Sein Landsmann, der chinesische Premierminister Li Keqiang, ließ sich wegen Terminproblemen entschuldigen, war aber kurz über das Internet in die Kongresshalle zugeschaltet. Er deutete einen Zehnjahresplan für die Digitalisierung der Produktion an. Sein Stellvertreter Ma Kai weilte hingegen persönlich vor Ort und betonte, dass die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) immer schneller voranschreite. Die Digitalisierung sei allgegenwärtig.

China sei der größte und am schnellsten wachsende IKT-Markt mit zum Beispiel 100 Millionen 4G-Nutzern. Davon profitierten kleine wie größere Unternehmen, gerade auch in dem großen Land China mit sehr entlegenen Gebieten. Wandel und Innovation erforderten Mut, sagte der Premier, internationale Kooperation für den Schutz des Eigentums und rechtliche Harmonisierung, um Handelshürden zu beseitigen. Auch müsse die Sicherheit der Informationstechnik gewährleistet werden.

Angela Merkel

(Bild: CeBIT)

Alles werde vom digitalen Wandel durchdrungen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Einstieg in ihre Ausführungen. Die Vernetzung der Industrieproduktion und die damit verbundenen Smart Services scheinen große Möglichkeiten zu bieten. Aber der Wettbewerb in der Industrie 4.0 sei global und kräftig – auch durch China. Das Land sei außerhalb Europas der wichtigste Handelspartner und werde in Hannover zur CeBIT durch 600 Unternehmen verkörpert.

Mit dem Geld aus Versteigerung weiterer Mobilfunkfrequenzen soll in Deutschland der Breitbandausbau vorangetrieben werden, versprach Merkel. Mit dem jüngst vorgelegten Gesetz zur WLAN-Haftung werde ein wichtiger Schritt für die Rechtssicherheit von Hotspot-Betreibern absolviert. Als weiteren Baustein für eine florierende Wirtschaft sieht Merkel die Förderung der Gründerkultur, angefangen von der Hochschule.

Erhebliche Chancen böten Big Data und Cloud Computing, aber auch datenschutzrechtliche Risiken. Dabei hob die Bundeskanzlerin auf die kommende europäische Datenschutzgrundverordnung ab. Weiter wichtig für die Wirtschaft sei ein digitaler Binnenmarkt, und dazu gehörten Regelungen zum Roaming und zur Netzneutralität. Dabei müssten digitale Produkte verlässlich sein, damit die Menschen ihnen vertrauen. Das betreffe insbesondere die Infrastruktur und das Gesundheitswesen. E-Government, IT-Sicherheit und vernetzte Mobilität lauteten weitere Stichwörter, mit denen Merkel ihre Ansichten zur digitalen Wirtschaft darlegte.

Dieter Kempf

(Bild: CeBIT)

Dieter Kempf, Präsident des IT-Branchenverbands Bitkom, griff eine Passage einer früheren Rede der Bundeskanzlerin Angela Merkel auf: "Alles, was digitalisiert werden kann, wird auch digitalisiert." In den Jahren seitdem habe sich das auch gezeigt, meinte Kempf, zum Beispiel im Gesundheitswesen und im Finanzsektor. "In der Wirtschaft wird kein Stein auf dem anderen bleiben." Dazu führte Kempf den Möbelhersteller vor, der in zehn Jahren vielleicht kein Handwerker mehr ist, sondern ein 3D-Drucker an der Ecke.

Für die d!conomy, dem Motto der diesjährigen CeBIT, sei neben einem gut ausgebauten Netz, Ausbildung, Entbürokratisierung und ein "echter Binnenmarkt" eine Kombination aus Datenreichtum und Datenschutz nötig. Die strikte Datensparsamkeit sei überkommen.

Gegen die Wahl Chinas als CeBIT-Partnerland regte sich vor der Kongresshalle Protest.

(Bild: Martin Holland / heise online)

Die d!conomy habe auch einen gesellschaftlichen Auftrag, sogar mehr als die analoge Welt, denn Job und Freizeit seien nicht mehr so scharf getrennt. Die Choreografie des Lebens werde durcheinandergewürfelt. Eine ausgewogene Vorratsdatenspeicherung gefährde nicht die bürgerliche Freiheit. Auch Qualitätsdienste im Netz sollten gut debattiert werden, sagte Kempf zu zwei reichlich umstrittenen Themen. (anw)